{"id":1034,"date":"2010-06-24T12:41:25","date_gmt":"2010-06-24T11:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1034"},"modified":"2010-06-24T12:41:25","modified_gmt":"2010-06-24T11:41:25","slug":"gamedesign-im-hochparterre-tec21-und-die-anschlussfrage-warum-eine-ausbildung-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1034","title":{"rendered":"Gamedesign im Hochparterre, Tec21 und die Anschlussfrage: Warum eine (Game-)Ausbildung in der Schweiz?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1033\" title=\"Bild 46\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bild-46-228x300.png\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" \/>Gamedesign scheint immer mehr auch in der Designkultur der Schweiz anzukommen (kurz nach einem gr\u00f6sseren Beitrag auf <a href=\"http:\/\/www.drs1.ch\/www\/de\/drs1\/sendungen\/treffpunkt\/2785.sh10140141.html\">DRS1<\/a>). Ein Beispiel daf\u00fcr sind die neusten Ausgaben des Hochparterres und des Architekturmagazines Tec21. Das Hochparterre widmet sein Heft verschiedensten Arten von Spielen und eben auch dem Offensivspiel <a href=\"http:\/\/www.hochparterre.ch\" target=\"_blank\">&#8222;Game Designer: neuer Beruf, neue Industrie&#8220;<\/a>. <a href=\"http:\/\/www.tec21.ch\" target=\"_blank\">Tec21<\/a> geht dem Spiel mit augmented Reality und Architektur nach.<br \/>\n<strong>Die ewige Frage: Warum (Gamedesign-)Ausbildung in der Schweiz?<\/strong><br \/>\nEine der interessanten und leider typischen Schweizer-Fragen, die ein Interviewter des Hochparterres aufwirft, lautet paraphrasiert: Warum Gamedesigner ausbilden, wenn es daf\u00fcr keinen genug grossen &#8222;Absatzmarkt&#8220; gibt? Und wenn schon Ausbildung, warum dann Autorendesigner statt sich am Mainstreammarkt zu orientieren? Autoren brauche man eh nur einen pro Jahrgang.<br \/>\n<strong> <\/strong><br \/>\n<strong> <\/strong><br \/>\n<strong>Eine Antwort<\/strong><\/p>\n<div id=\"_mcePaste\">Die Schweiz ist &#8211; und das erf\u00e4hrt man nur im Ausland &#8211; der Hort der Marktwirschaft in Europa. Als Schweizer ist man sich das eigentlich nicht bewusst, merkt es dann aber an der Offenheit der Leute, ihren Abstimmungen und nat\u00fcrlich am Zuzug von weltweiten Grossfirmen wie die \u00a0Google, diverse Handelsfirmen in Zug oder Firmen, die hier in der Oase gross geworden sind wie Nestle, die Basler-Chemie oder die Bank-Spielfirmen wie UBS oder CS. Und es gibt nat\u00fcrlich einen Grund warum man in diese Oase fl\u00fcchtet. Dass die Schweiz sehr marktwirschaftlich ist, merkt man nat\u00fcrlich auch an ihrer Weigerung viel in klassische F\u00f6rderung zu stecken, es wird mehr dem Markt \u00fcberlassen als etwa im \u00a0Deutschland &#8211; wo Gamedesign als f\u00f6rderungsw\u00fcrdige Hochtechnologie gilt.<!--more--><\/div>\n<div><strong><br \/>\nDer Schweizer F\u00f6rderungsweg: &#8222;Lass es irgendwo anders machen&#8220;<\/strong><\/div>\n<div>Das Dilemma ist bekannt: In der Schweiz werden meist Leute von aussen &#8222;geholt&#8220; (man bildet sie ja nicht selbst aus! Gewisse Ausbildungsg\u00e4nge gibt es gar nicht und dann werden Stellen ausgeschrieben, die man nur in D oder F mit einem Bachelor \u00a0studieren kann.) oder Leute m\u00fcssen erst ins Ausland arbeiten gehen, bis man ihnen ein wenig zu traut. Oder anders gesagt: Outgesourcte Ausbildung ist einfach billiger. Man holt dann nat\u00fcrlich auch Personen, die nicht den schwereren Schweizer Weg gegangen sind (Man vergleiche die Abiturentenzahlen in D, Fr oder Esp mit denen der Schweiz) zur\u00fcck in die Schweiz. Hauptsache, sie kommen vom freien Markt. So bezahlen \u00f6ffentliche wie private schweizer F\u00f6rderungsinstitutionen \u00a0lieber im teilweise sehr fernen Ausland igendwelche Industrieshows und Festivals als einen eigenen Weg zu gehen und etwas aufzubauen vor Ort. Man merke: Aufbau ist schwierig und diese Generation der Aufbauer sind eben nicht Massenmarktproduktleute sondern eben Autoren, Unternehmer und Leute, die etwas riskieren und nicht nur Standortvorteile (in Zug) und damit die Optimierung suchen.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\"><strong><br \/>\nDer Standort<\/strong><\/div>\n<div>Die Schweiz liegt mitten in Europa und ist sprachneutral (eine der Gr\u00fcnde warum auch Google hier ist: &#8222;Wir bringen keine Franzosen nach Deutschland oder Deutsche nach Frankreich, aber hier bringen wir alle zusammen, selbst Engl\u00e4nder&#8220;- lautete es auch schon vom Google-Hauptquartier). Und es ist g\u00fcnstig hier zu sein als Unternehmen. Es liegt des Weiterem in einem der wirtschaftlich st\u00e4rksten europ\u00e4ischen Regionen das meint jenen s\u00fcddeutschen, \u00f6sterreichisch und schweizerischen Speckg\u00fcrtel vollgestopft mit KMUs und Grossbetrieben. Sprachlich bel\u00e4chtet und wirtschaftlich extrem potent ist die Region aufgespannt von Stuttgart, M\u00fcnchen, Basel und Z\u00fcrich. Wer also von Markt spricht, sollte aufh\u00f6ren in schweizerischen Grenzen zu denken sondern eben globaler, denn er argumentiert ja in einer globalen Denkweise.<\/div>\n<div><strong><br \/>\nDer Markt<\/strong><\/div>\n<div>Spannenderweise definiert man den Markt in der klassisch schweizerischen Art auch nur lokal: Wo ist die Industrie hier?<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Dass es sich beim Gamemarkt l\u00e4ngst um einen internationalisierten und postmodernen Markt handelt (Wo spielt nochmals GTA oder WorldOfWarcraft?), vergisst man gerne, wohl nur darum, um die angestammten wirtschaftlichen Felder und deren Zukunft nicht etwa in Frage zu stellen. Games sind postmoderne Produkte. Sie sind inhaltlich eigenst\u00e4ndig und lassen sich global vermarkten &#8211; gleich wie in der Basler Chemie. Ein Produkt wird erstellt und \u00fcberall auf der Welt verkauft. (Die Finanzindustrie lassen wir einmal draussen, da es hier nicht um schweizer Tugenden geht, sondern nur um die schamlose Ausn\u00fctzung von &#8222;Standort&#8220;-Vorteilen: Auslaufmodell. Banken sind geradezu Standortnachteile, da sie eine grosse Anzahl gut ausgebildeter und teilweise kreativer Akademiker abziehen.) Der Markt, der abh\u00e4ngig ist von den Distributationskan\u00e4len hat sich in den letzten Jahren stark ver\u00e4ndert. Langsam verdr\u00e4ngen Online-Distributionskan\u00e4le (60-70%) die klassischen Retailverteilkan\u00e4le (3-15%) und erm\u00f6glichen neue Arten von Gesch\u00e4ftsmodellen. Plattformen wie Flash, iPhone, Android, Xbox Arcade oder Steam (Win\/Mac) erm\u00f6glichen mit dieser Art von Vertriebsweg auch neue M\u00f6glichkeiten, M\u00f6glichkeiten, die geradezu f\u00fcr \u00a0Produktionen auch in unseren Breitengraden sprechen. \u00a0Das Ph\u00e4nomen Game ist zudem immer st\u00e4rker in der Gesellschaft vertreten: Kinder werden heute per Games sozialisiert. Dabei sind Facebookgames nur die Spitze des Eisberges und zeigen wie sehr man heute Jugendliche mit Games erreicht &#8211; eine Tatsache, die die Werbung auch hierzulange l\u00e4ngst erkannt hat.<\/div>\n<div><strong><br \/>\nEine Schule: eine Ausbildungsst\u00e4dte, ein Thinktank und Forschungsbereiche<\/strong><\/div>\n<div>Schulen wirken sich auf verschiedenen Ebenen aus: Auf einer ersten und sichtbarsten Ebene bilden Schulen Menschen in ihrem &#8222;Handwerk&#8220; aus. In diesem Fall Gamedesigner. Im z\u00fcrcher Fall: allgemeine Gamedesigner vom Storytelling, \u00fcber 3D-Visualisierung, Soundesign, Gamemechanik bis hin zur Programierung. \u00a0Also Leute, die sich in allem auskennen sollten und die letztlich selbst Produktionen \u00fcbernehmen k\u00f6nnen (auch in der Werbung) oder dann eine Spielproduktion managen k\u00f6nnen. Die Ausbildung im Bachelor erm\u00f6glicht ein Nachdenken \u00fcber Games und das Entwicklen neuer Ideen, etwas was in der Industrie erst allm\u00e4hlich getan wird. Auf dieser Ebene ist eine Schule ein Thinktank. Anders als in anderen Branchen sind dabei neue Ideen und Spielkonzepte (Spielmechaniken) einer der wichtigsten &#8222;Kauffaktoren&#8220; von Spielen. Spiele veralten \u00a0schnell und Konzepte \u00a0entscheiden letztlich, welches Spiel sich l\u00e4ngerfristig am Markt behauptet. Auf einer weiteren Ebene k\u00f6nnen Schulen als Kern f\u00fcr eine sich entwickelnde Szene gelten und so langsam Szene und Schule weiterentwickeln. Es entsteht dadurch im besten Fall ein sich verst\u00e4rkender Regelkreislauf an dessen Ende eine eigene schweizer Gamedesignkultur steht. Hier kann die fehlende Gameindustrie (Industrieleute sind auch nicht zwangsl\u00e4ufig gute &#8222;Dozenten&#8220;) sogar von Vorteil sein, da nicht autmoatisch f\u00fcr den Markt produziert wird, sondern eben das \u00a0Neue gesucht. Games sind eine innovationsgetriebene Industrie, sei es auf der Ebene der Grafik (Technik), Physik oder der Gamemechanik &#8211; vereinte Hochtechnologie. Der l\u00e4ngerfristig wichtigste Punkt ist allerdings auch die Generierung eines schweizerischen Netzwerkes: Die Leute haben zusammen gearbeitet, kennen einander und sind dadurch in der Lage gr\u00f6ssere Projekt in der Schweiz zu stemmen oder sich doch zumindest international helfen zu k\u00f6nnen, wo immer auch sie sich befinden. \u00a0Auf lokaler Ebene erm\u00f6glicht die Kombination von Games und Forschung sicherlich eine wichtige und f\u00fcr den Standort Schweiz attraktive Produktkombination.<\/div>\n<div><strong><br \/>\nDer Schweizer Vorteil: endlich zur\u00fcckhaltendes Schweizer Entertainment<\/strong><\/div>\n<div>Games k\u00f6nnten den Einstieg der Schweiz ins Entertainment-Gesch\u00e4ft sein. Anders als in anderen Bereichen, wo man vor der Kamera steht oder Musik macht, ist es im Gamedesign sehr schweizerisch m\u00f6glich, sich im Hintergrund zu halten und das Spiel f\u00fcr sich selbst sprechend zu lassen oder es werden endlich Games \u00fcber die Schweiz produziert, um wie einst bei James Bond f\u00fcr die Landschaft und damit f\u00fcr den Label &#8222;Swiss&#8220; und den Tourismus Werbung zu machen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>In diesem Sinn: Die Gameszene Schweiz hat gerade erst damit begonnen sich selbstst\u00e4ndig zu machen.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gamedesign scheint immer mehr auch in der Designkultur der Schweiz anzukommen (kurz nach einem gr\u00f6sseren Beitrag auf DRS1). Ein Beispiel daf\u00fcr sind die neusten Ausgaben des Hochparterres und des Architekturmagazines Tec21. 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