{"id":10558,"date":"2024-11-25T09:49:58","date_gmt":"2024-11-25T09:49:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10558"},"modified":"2024-11-27T08:22:29","modified_gmt":"2024-11-27T08:22:29","slug":"generative-ai-oder-warum-menschen-anscheinend-nur-menschliches-ertragen-in-computern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10558","title":{"rendered":"Generative AI oder warum Menschen anscheinend nur &#8222;Menschliches&#8220; ertragen aus Computern [Essay]"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Geschichte der generativen Erzeugung von allem M\u00f6glichen wie Bilder, Sound ist lang. Thomas Dreher hat dies schon vor Jahren sehr umfassend <a href=\"http:\/\/iasl.uni-muenchen.de\/links\/NAKS.html\">hier dargelegt &gt;<\/a>  Und es ist bemerkenswert wie Diskussionen um generative Systeme ohne das Wissen solcher Texte stattfindet! Es wird so getan, als h\u00e4tte alles vor ein paar Jahren mit ChatGPT und Co angefangen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verschm\u00e4hte generative Kunst 1960+<br><br><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Missachtung alles Generativen hat nat\u00fcrlich eine lange Tradition. Es brauchte nur schon lange bis man <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.toniz.ch\/?room=algoanalog\" target=\"_blank\">Algoart<\/a> wie Signers &#8218;Wasserspiele&#8216; und co \u00fcberhaupt zuliess in Gallerien. Wenigstens sind diese Pioniere* inzwischen angekommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Anders lief es bei der digitalen generativen Kunst ab seit den 60er Jahren. Fast kein Widerhall weder theoretisch noch inhaltlich. Die Argumente waren auch klar: &#8222;Das macht ja kein Mensch&#8220; (Als w\u00e4re der Code nicht von Menschen gemacht.). Lediglich vor ein paar Jahren gab es einen kurzen Hype, weil die NFT-Scene herausfand, dass man ja mittels generierten Kunstwerken unendlich viel Content erstellen konnte und verkaufen konnte. Das Motto: Jeder kauft sein eigenes spezielles ausgew\u00e4hltes Kunstwerk.  <br><br>Das Interessante daran: das alles hat nie eine gr\u00f6ssere Masse in der Kultur interessiert, geschweige denn die Gallerien und Museen, geschweige denn die &#8222;wissensgenerierenden&#8220; (in Anf\u00fchrungszeichen, weil sie es in diesem Bereich nie taten) Institutionen &#8211; wie die Kunstgeschichte oder die Kunsthochschulen. Das Ganze landete immer im  Bunker der Vergessenheit &#8211; im besten Fall im Museum der &#8222;Medienkunst&#8220;. Es finden sich weder namhafte Ausstellungen noch Sammlungen in \u00f6ffentlicher Hand. Die Kunstschaffenden* wurden gemieden und haben irgendwann einfach gesagt: Nee Leute, wenn ihr nicht bereit seid auch irgendwie was mitzubringen f\u00fcr diese Art der Kunst, dann war es das. Das ist umso interessanter, als dass es ganze Abteilungen von KunstMuseen gibt, bei denen ohne F\u00fchrung man oft gar nicht versteht, um was es da geht. Da wird dann Aufwand betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber f\u00fcr Algorithmen gab es das Verst\u00e4ndnis nicht. Niemand* wollte anscheinend die andere Sicht von Maschinen, wollte die Macht der Algorithmen sehen, obwohl diese immer gr\u00f6ssere Teile unseres Alltags bestimmen. Eine Kulturelite war nicht bereit diesem Ph\u00e4nomen auch nur ihre Aufmerksamkeitsr\u00e4ume zur Verf\u00fcgung zu stellen! <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Overhype: Generative AI mit menschlichen Daten<\/h2>\n\n\n\n<p>Und nun? Nun gibt es erneut generierende AIs und der Hype ist total. Die Zeitungen sind voll. Jede Galerie reisst sich um irgendwas mit AI-Inside.  Unkritisch findet der gr\u00f6sste Kitsch anklang bei Institutionen, die beim Wort Medienkunst sich &#8222;bekreuzigt&#8220; haben fr\u00fcher.  Es ist nun auch keine Medienkunst mehr. <br><br>Das l\u00e4sst sich (siehe anderer Artikel) teilweise damit erkl\u00e4ren, dass nun das Interface Sprache und damit menschlich ist. Dieses Interface ist aber letztlich nur die Vorstufe. Viel entscheidender scheint aktuell zu sein: Hinter dem Interface stecken keine abstrakten Algorithmen, keine klaren Regeln, keine menschliche &#8218;Programmierung&#8216; sondern letztlich &#8222;nur&#8220; menschlicher Content. Man kann fast schon sagen, dass menschlich Unbewusste unserer Kultur. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn an BigData trainierte neuronale Netze sind nichts anderes als &#8218;menschlicher Content&#8216; gewichtet in digitalen Neuronen (konkreter: Synapsen und Reaktionspotentialen). Sogar die Idee der Technologie dahinter ist biologisch-menschlich inspiriert &#8211; die angewandte Technologie der Entdeckungen in der Biologie der 60er Jahre. Der Neurokortex war ein relativ einfaches Modell &#8211; das Erkennen einer (blinkenden) Lampe ihr erster Case.<br><br>All das scheinen die Leute akzeptieren zu k\u00f6nnen. Das scheint zumindest annehmbar gut zu sein, ist der Output &#8211; selbst wenn sie entgleist (AIs lernen Rechtsextremismus) &#8211; so richtig menschlich.  Also lieber keine harten brutalen Regeln &#8211; lieber kein Anderes. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aktueller Hype: Anti-Logik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Anders gesagt, die gerade angewendete AI (anders als in den 80er Jahren) ist nicht etwa die entwickelte Logik der letzten tausend Jahre Menschheitsgeschichte sondern das Bauchgef\u00fchl. Es geht hier nicht um eine Rationalisierung des Wissens und um eine Theoretisierung des Wissens in Modellen sondern um die BlackBox. Da kann man auch nichts falsch machen, ist letztlich unangreifbar. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>War die Logik immer ein Versuch dem Menschen und seiner Irrationalit\u00e4t beizukommen (und das bis weit hinein in die Machtaus\u00fcbung), so geht es hier prinzipiell um etwas anderes. (Und ja nat\u00fcrlich werden auch Regeln in neuronalen Netzwerken abgebildet, aber sie werden eben transparent gemacht, herausgearbeitet.) Man* muss nicht verstehen, wie es funktioniert. Es funktioniert halt. Der neue Sklave AI tut, was man m\u00f6chte ohne zu wissen, was er tut. Er ist da nicht anders als sein &#8222;Master&#8220;. Er wird einfach &#8222;optimiert&#8220; oder evolutiv so oft zusammengeschlagen (evolutiver Optimierungsansatz) und das Gute (&#8222;Angepasste&#8220;) ausgelesen bis &#8222;er&#8220; tut, was man m\u00f6chte von ihm. <br><br>Waren klassische AI Systeme anschaubar regelbasiert, entzieht sich der aktuelle Hype jeder Frage nach Nachvollziehbarkeit. Die blinden Flecken sind gewaltig bei diesem Werkzeug, aber die menschlichen Ergebnisse geben anscheinend immer recht. Die Naivit\u00e4t eines Teils der aktuellen Kunstszene spricht mehr als nur B\u00e4nde. Aber es sind menschliche B\u00e4nde, ihnen wird vergeben werden. Sie sind keine Nerds mehr &#8211; ihr Bet\u00e4tigungsfeld ist das Menschliche in seiner normierten Gesamtheit. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Human inside (In Anlehnung an Pentium inside)<\/h2>\n\n\n\n<p>Und das ist auch einer der Hauptgr\u00fcnde, warum es gerade so &#8218;rockt&#8216;. Drin ist immer das verwertete Menschliche. Das alltagssprachliche Interface gew\u00e4hrt Zugriff zu menschlichem Content und generiert menschlichen Content. Wer eine AI nutzt um Bilder zu generieren wird teilweise h\u00e4sslichste Stereotypen kriegen und irgendwie dann doch sagen: Es ist zwar h\u00e4sslich, aber sowas w\u00fcrde ich auch machen, k\u00f6nnte ich zeichnen. Es kann vergeben werden, es braucht keine Kommunikation des Resultats wie in den klassischen regelbasierten Inhalten. Hier stand auch das Andere, das Nicht-Verst\u00e4ndliche auf dem Tisch.<br><br>Im Overhype der AI aber, da steckt die menschliche Erfahrung von Millionen von Bildern drin. In einem &#8222;Return&#8220; steckt auch die Ausbeutung dieser Millionen von Urhebern* drin und da ja da sind wir nat\u00fcrlich Experten*. Wir kaufen Mode, die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden und tragen sie wiederum unter unmenschenlichen Arbeitsbedingungen. Aber mit dieser Art von Auseinandersetzung haben wir uns schon l\u00e4ngst vers\u00f6hnt. Wir brauchen uns nicht zu fragen. Es ist menschlich und das entschuldigt bekanntlich alles. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Unnachvollziehbarkeit ist dabei &#8211; wie in der Mode auch &#8211; ein KeyFaktor. Damit entledigt man sich auch jeder Art von Moral und Ethik. Wie der Markt verbirgt, was passiert, verbirgt auch jede aktuelle HypeAI ihre Art wie sie funktioniert. Fragen Sie mal all die selbsternannten Experten der AI-Nutzung, ob sie wissen, wie die BlackBox funktioniert &#8211; im Detail! Fragen Sie mal nach, wer selbst je schon die Grundlage daf\u00fcr programmiert hat &#8211; ein einfaches neuronales Netz. Oder was nun gerade dieses Neuron hier &#8211; ja dieses &#8211; das ganze wie beeinflusst. Die Cleveren sind dann wenigstens ehrlich und reden von der BlackBox. <br><br>Es braucht keine nachvollziehbare Theorie mehr. Es geht einfach. Das ist das Commitment pur &#8211; das Spiel. Moral kommt dann irgendwann &#8211; die Maschinen sind schliesslich dazu gemacht uns zu gehorchen.<\/p>\n\n\n\n<p>War es in fr\u00fchen generativen Kunstwerken nachvollziehbar, was passiert und das Ergebnis doch \u00fcberraschend &#8211; zeigte es eine neue Welt, ist es aktuell anders. Viele aktuelle Werke zeigen eigentlich nichts Neues. K\u00f6nnen sie teilweise auch gar nicht, da ja nur das aktuell Trainierteste drin steckt. Das ist aber auch nicht weiter tragisch: Denn es ist menschlich in einer &#8222;unmenschlichen&#8220; Welt. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint auch niemandem peinlich zu sein, die \u00fcbelsten Stereotypen zu zeigen. Was fr\u00fcher gerade mal als &#8211; Alltagsgrafik zeigbar war, findet sich in Gallerien wieder. Es soll Kritik am Konsum sein. Nein es ist letztlich Technikkulturkonsum! In Medienausstellungen der 80er Jahre h\u00e4tte man gesagt: &#8222;Hat halt nicht mehr hingekriegt&#8220;. Aber all das verschwindet im Pot des Nicht-Nachvollziehbaren und doch so &#8222;Menschlichen&#8220;.  OverhypedAI ist auch eine riesige Ausrede &#8211; die menschlichste aller Ausreden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gegenwart und Zukunft<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist kein Zufall, ist die Modellierung und Theoretisierung unserer Gesellschaft an einem Tiefpunkt angekommen. Wir stehen vor ganz vielen unterschiedlichsten Ph\u00e4nomenen, zu denen wir keine Theorien besitzen oder erarbeitet haben. Der Markt als Theorie hat all dies nicht n\u00f6tig gemacht. Er w\u00fcrde es schon irgendwie richten. Es spiegelt damit auch, was gerade im AI-Bereich stattfindet. Statt nachvollzieh- und kontrollierbare Technologie verwenden wir zusehends unkontrollierbare AIs. Kontrolle egal &#8211; ein undurchsichtiger Layer &#8211; wen k\u00fcmmert es schon. Oben drauf setzen wir dann wieder klassische regelbasierte AIs. Zizek wird dabei vermutlich schmunzeln.  Damit entziehen wir uns der Verantwortung, nachvollziehbare Welten zu erstellen. Aus Erfahrung wird per Training ein gewichtetes neuronales Netz, aber das ist eben noch kein Metawissen &#8211; kein Modell. Es ist, was es ist, eine hochkomplexe Excel-Tabelle. Oder f\u00fcr griechische Mathematikliebhaber: Es ist eine Zahlenreihe der Sinus, die erst vor ein paar hunderten Jahren zur Formel wurde. Und da m\u00fcssen wir hin. <br><br>Bald regiert mit Donald Trump ein Mann die m\u00e4chtigste Demokratie der Welt, der genau wie die OverhypeAIs blubbernd Versatzst\u00fccke generiert. Alle irgendwie bekannt. Sie ergeben keinen logischen Zusammenhang oder eher: Sie ergeben nur lokal einen logischen Zusammenhang. Ganz so wie generative LLMs ihren Content generieren.<br><br>Und ja &#8211; eine wirkliche Revolution wird kommen, wenn wir die AIs dazu bringen, nachvollzieh- und anwendbare Regeln zu generieren. Die Frage ist nur, ob dies m\u00f6glich ist. Das unterscheidet auch uns von den Ameisen. Wobei Ameisen in der Lage sind sich selber zu managen, essen zu finden und zu \u00fcberleben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der generativen Erzeugung von allem M\u00f6glichen wie Bilder, Sound ist lang. 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