{"id":10619,"date":"2025-07-19T10:56:53","date_gmt":"2025-07-19T10:56:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10619"},"modified":"2025-07-21T08:45:56","modified_gmt":"2025-07-21T08:45:56","slug":"das-medium-zeitung-eine-verschwindende-motivations-narrativemechanik-requiem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10619","title":{"rendered":"Das Medium Zeitung &#8211; eine verschwindende Motivations-\/NarrativeMechanik [KurzRequiem]"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachtet man die Zeitung, so sieht man schnell, dass ihr Konzept\/Kultur stark der Gutenberggalaxis folgt. Man* k\u00f6nnte auch sagen: Die Zeitung ist das t\u00e4gliche (oder w\u00f6chentliche) Newsbuch. Selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt zur Zeitung, wie wir sie heute kennen oder deren letzte Exemplare wir erleben, nat\u00fcrlich auch der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rotationsdruck\" target=\"_blank\">Rotationsdruck<\/a>. Aber auch hier handelt sich letztlich um eine Evolution im Druckverfahren, wie es Gutenberg entwickelte.  Und diese Innovation machte die gedruckten Tageszeitung selbst in der heutigen Form m\u00f6glich. Sie ist ein Massenprodukt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Zeitung &#8211; das Newsbuch<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zur GutenbergGalaxie f\u00fchrende Buch beinhaltete (siehe dazu  etwa <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Buchdruck_in_der_fr\u00fchen_Neuzeit\" target=\"_blank\">Giesecke<\/a>) kleine Welten, man k\u00f6nnte auch sagen: eine koh\u00e4rent zusammenh\u00e4ngende Welt. Eine Art Virtuelle Realit\u00e4t f\u00fcr die Lesenden, die sich im besten Fall &#8211; bei einer Zeitung &#8211;  mit der analogen Realit\u00e4t befasst. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Idee von einer Klammer pro Buch (Wissenschaftliche Texte m\u00fcssen das bis heute haben, Romane verwenden ebenfalls koh\u00e4rente Narrationsmechaniken) ist bei der Zeitung der &#8222;Tag&#8220;. Der gestrige Tag h\u00e4lt die Zeitung zusammen. Es sind die aktuellen Nachrichten von gestern die hier abgebildet werden. Jede Zeitung besitzt wie jedes Buch eine Art Inhaltsverzeichnis &#8211; das meist nicht ausgeschrieben ist, aber klar ist auch weil es oft oben auf jeder Seite steht. Es sind sogenannte B\u00fcnde (gefaltete aber ungebundene Bl\u00e4tter), die beinhalten quasi die News der Welt: wie etwa Ausland, Inland, Lokal, Kultur, Sport.  Selbstverst\u00e4ndlich haben diese Kategorien in der Geschichte der Zeitung variert und sich dem Zeitgeschehen und der sich ver\u00e4ndernden Kultur angepasst. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Leser* der Abonnent*<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leser* von Zeitungen, waren oft langj\u00e4hrige Abonnenten. Es gab sogar Familien, da &#8218;vererbte&#8216; quasi sich die Zeitung mittels geschenktem Abo und mit dabei auch die Einstellungen. Da gab es NZZ (rechts-liberal) oder eher Tagesanzeiger (mitte-links-liberal). Und nat\u00fcrlich die Weltwoche als kritische liberale Wochenzeitung oder die WOZ (kritisch-links) als Ausgleich. Die Zeitungen waren dabei an ihre Kunden gebunden und somit auch ihr Inhalt. Auch bei den Produzenten war klar: Die Leute schrieben meist f\u00fcr einen dieser Kan\u00e4le. Das Wechseln von Werbung zu Redaktion war verp\u00f6nt und das war klar: Werbung ist &#8222;Prostitution&#8220;. Die Verleger hatten auch mehrheitlich einen inneren Auftrag. Sie wollten es und sei es nur Aufkl\u00e4rung. Selbstverst\u00e4ndlich wollten sie auch Geld verdienen und brauchten Auflage, ihre gesellschaftliche Funktion war aber noch mehr: Sie wollten Teil der Aufkl\u00e4rung, der Kritik sein im besten Fall. Heutige Verleger scheinen mehrheitlich davon noch nie geh\u00f6rt zu haben oder blenden diese Tradition bewusst aus. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zeitung lesen &#8211; die Welt in der Hand<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Leser* von Zeitungen nahm also die oft ins Haus gelieferte Zeitung in die Hand. Die vorderste Seite (niemals mit Werbung! denn man h\u00e4tte ja sein Gesicht verkauft) zeigte das aktuell Wichtigste auf der Welt oder Lokal. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann ging der Artikel irgendwo weiter in der Zeitung, was oft eine Suche sondergleichen sein konnte. Dann las der Leser* sich durch die Zeitung. Von der Welt bis ins Lokale. Dabei waren die verschiedenen Teile der Zeitung wie das Gesellschaftsystem mit seinen Teilsystemen klar getrennt. Sowohl inhaltlich wie auch personell. Da schrieb der Auslandteil mit seinen &#8218;Experten, das Inland und die Politik und dann ja etwa die Lokalpolitik. Die internen Ressorts scheinen &#8211; so zumindest von aussen &#8211; teilweise unvers\u00f6hnlich gewesen zu sein. Anders l\u00e4sst sich nicht erkl\u00e4ren wie in Zeitungen wie der NZZ der Lokalteil meist unter jedem &#8222;Niveau&#8220; war inhaltlich wie politisch. Dazu kamen externe Artikel, die weit h\u00f6here Qualit\u00e4t hatten, da hier der Autor* um seine Renomee k\u00e4mpfte und darum  nicht nur 8 Stunden arbeitete. Viele Zeitungen leben l\u00e4ngst in Sachen Renomee von diesen Externen*. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich &#8218;bildete&#8216; die Zeitung dabei auch fast alle Bereiche des &#8218;b\u00fcrgerlichen&#8216; Lebens ab: Von der Todesanzeige bis zu Jobs alles war hier enthalten. Je nach Wochentag auch mit der einen oder anderen Beilage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War der Lesende durch, so hatte er* 3 oder 4 Artikel gelesen, die interessant waren. Wobei immer auch klar war, las man in einem Bereich den man kannte, kam oft heraus, das es eben Journalismus mit Ressorts war, die Tiefenkenntnis aber nicht unbedingt gew\u00e4hrleistet war. Wie waren wohl die anderen Bereiche, wo man kein Experte war? Man musst der Zeitung als Leser  irgendwie vertrauen. Das war gerade auch schwierig, wenn klar wurde, dass viel in Zeitungen auch den Launen und Interessen der Journalisten* unterworfen war und viele Stories rein dann zur Story wurde, wenn es Journalisten* pers\u00f6nlich betraf. Man denke an all die pers\u00f6nlichen Erlebnisse in Z\u00fcgen, Trams und Autos. Da dient(e) oft die Leserschaft als Legitmation f\u00fcr eigentlich eigenes Erlebtes.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Iteratives Lesen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinten angelangt drehte der Leser* die Zeitung und begann von vorne. Er* konnte ja nichts anderes machen, etwa im Zug und er hatte schliesslich daf\u00fcr bezahlt und las die 2te Auswahl und vielleicht noch die dritte. Denn eines war klar: das Newsbuch Zeitung wurde am n\u00e4chsten Tag ja aktualisiert. Klar war auch, das die Zeitung von heute sich immer auch auf die Zeitung von gestern beziehen konnte, den es waren Abonnenten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Z\u00fcgen lagen dann oft auch bezahlte Zeitungen herum. Oder es fehlten interessanterweise ganze B\u00fcnde und der Rest war da. Es gab also eine Art gemeinsames Lesen von unterschiedlichen Standpunkten von verschiedenen Zeitungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ausgelesen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War eine Zeitung bis auf den letzten Text gelesen, dann konnte man wirklich von ausgelesen reden. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die kleine Welt Zeitungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeitung bildete also die (ausgew\u00e4hlte) Welt auch physisch  ab auf Papier, man* war gezwungen sich an Themen vorbei zu lesen, zumindest die Leads zu lesen, das Bild anzuschauen und zwar in allen Bereichen, denn man kam nicht zu einem Teil, wenn man sich nicht durchbl\u00e4tterte oder gar den richtigen Bund suchte. Das analoge Papier verhinderte geradezu den heutigen Klick &#8211; den er war k\u00f6rperlicher Minimalaufwand, aber eben kein Klick oder Wischen durch diese aktuelle und selektierte Welten. In ihnen galt selbstverst\u00e4ndlich der Autoren* geschriebene Text als das Mass der Dinge. Und diese Texte waren \u00fcberarbeitet und \u00fcberarbeitet worden, es gab ein Korrektorat. Es behob auch inhaltliche Probleme. Agenturmeldungen (heutiger Hauptinhalt von vielen Zeitungen) waren ein eigenes Blatt. <br><br>Oder anders gesagt: Hier war der Autor auch in einem gewissen Sinn tot, denn es schrieb vorallem das Medium. Der Addressat und Endkunde war der Leser* und nur im marginaleren Teil &#8211; so zumindest die Idee der Leser* &#8211; Werbung und der Werbekunde. Selbstverst\u00e4ndlich wurden Zeitungen auch dar\u00fcber finanziert. Aber sie waren halt nicht &#8222;gratis&#8220;, was gleichbedeutend ist mit: Der Leser* ist nicht der Kunde. Werbung st\u00f6rte in diesem Leseverhalten eher. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Diskussionsgrundlage Zeitungsinhalt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich war dabei klar, was in der Zeitung steht, war an diesem Tag Diskussionsstoff in der Kantine, bei der Arbeit und man konnte sogar darauf schliessen, was Leute diskutierten, was Leute redeten. Man* las also die Zeitung nicht unbedingt, um zu wissen, was passiert, sondern weil man wissen wollte, was man reden konnte. Oder anders gesagt, was sag- und diskutierbar war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Massenmedium Zeitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeitung ist und war selbstverst\u00e4ndlich ein Massenmedium. Das sieht man noch heute in der NZZ in den Sitzungsr\u00e4umen ganz oben an der Falkenstrasse: Von der Decke strahlt der NZZ Schriftzug und beleuchtet den Rest. Dieses Selbstverst\u00e4ndnis war nat\u00fcrlich klar vorhanden. Man definierte sogar die eigene Rechtschreibung im Fall der NZZ. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und diese Sendungsbewusstsein war oft auch fragw\u00fcrdig, gerade wenn es Klientelpolitik war. Wenn es also gar nicht, um die Leser* ging sondern um etwa das Schweizer &#8211; oder Z\u00fcrcher Establishment. Dennoch verstanden sich viele Verleger als die  4. Gewalt. Oft auch als &#8218;richtende&#8216; vierte Gewalt. Und diese &#8218;Gewalt&#8216; wurde auch ausgen\u00fctzt. In Z\u00fcrich bis hin zu Professorenwahl mit S\u00e4tzen wie &#8222;Der hat doch noch nie der NZZ geschrieben. Als h\u00e4tte die NZZ  irgendwas mit der UniZ\u00fcrich zu tun. Oder doch? Man* lenkte die Welt.<br><br>Der Tagesanzeiger wie die NZZ waren lange Zeit Medien mit grosser Reichweite und gesch\u00e4tzt wegen ihrer AusserDeutschen oder Franz\u00f6sischen Perspektive. Gerade w\u00e4hrend der Zeit im zweiten Weltkrieg. Die Oberen der NZZ wollten sich an den B\u00e4umen vor der Falkenstrasse aufh\u00e4ngen, wenn die Nazis k\u00e4men. Das ist alles Geschichte und die zwei Zeitungen spielen inzwischen in der Lokalliga &#8211; wenn die NZZ auch versucht in Deutschland &#8218;mitzuschreiben&#8216; in alter Massenmedienmanier heute am rechten Rand. Dabei spielt Liberalismus nicht mehr wirklich eine Rolle, libert\u00e4re Haltung hingegen schon.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2000er Jahre &#8211; Konkurrenz Gratiszeitungen und Web<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 2000 kommt diese an die Gutenberggalaxis angeh\u00e4ngte Welt ins Trudeln. Das Web steht vor der T\u00fcr und eine ganz andere andere Art  zu lesen. Der Link als neue M\u00f6glichkeit l\u00e4dt zum schnelleren Wechsel ein zum Weiterlesen und beendet ein Teil der klassische Leseart. Die immer war: Vom Anfang bis zum Ende. Von Buchdeckel zu Buchdeckel (oder Karton). Oder eben vom Titel, \u00fcber den Lead zum Ende des Artikeltextes. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweizer Zeitungen\/Verlage wehren sich dagegen, allerdings ohne konkrete Ideen zu haben. Sie bauen Webpr\u00e4senzen auf teilweise auch Teams, diese vernachl\u00e4ssigen sie aber mehrheitlich (EinMannK\u00e4mpfer etwa beim Blick) und stellen sie dann v\u00f6llig ohne Grund ein, wie etwa die NZZ. Die Zeitungen dachten, sie h\u00e4tten es ausgestanden! Sie dachten Dotcom sei das Ende all dieser Medien. <br><br>Dabei begingen sie einen weiteren Fehler, sie pflegten ihre integralen Services der damaligen Zeitung nicht wie etwa Jobsuche, die die Zeitungen querfinanziert haben. Stattdessen \u00fcberliessen sie dies &#8211; es ist Datenbanktechnologie &#8211; Externen und mussten diese nachher teuer zukaufen (jobs.ch).  Diese werden dann aber nicht in der Mischrechnung analoge\/digitale Zeitung integriert etwa beim Tagesanzeiger, sondern blieb ein eigenes Profitzentrum. Die Zeitung wurde auch also in ihren Services zerschlagen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt ein weiteres Problem. Die Gratiszeitungen. Diese versuchen sich zu etablieren in Z\u00fcrich auch um 2000. Dabei gab es Metropol (etwas gehobener) und 20Min. Diese Zeitungen waren\/sind Gratiszeitungen. Das heisst: keine Abonnenten, der Kunde ist letztlich der Werber*. Interessanterweise sind etwa 20-25 j\u00e4hrige Studierende bis heute nicht in der Lage mehrheitlich zu verstehen, dass sie gar nicht die Kunden dieser Zeitungen sind, sondern die Werber*!. Hier haben also Gratiszeitungen es geschafft, sich nicht etwa als die Gratisbl\u00e4tter vom Land darzustellen, sondern als vollwertige Zeitungen! <br><br>Das Rennen machte l\u00e4ngerfristig 20Min. Das es auch anders geht zeigen andere St\u00e4dte gerade in Deutschland. Im liberalen Z\u00fcrich jedoch wollte der Tagesanzeiger in diesen Werbebereich auch Geld machen  einem aufpolierten Tagblatt. Es stellte ein Team auf, bereitete den Redaktionsalltag vor, eine Webseite, es organisierte den Druck, die Verteilung und es wollte 20Min Konkurrenz machen. 12 Stunden bevor die Zeitung erschien, gab TAMedia bekannt, dass sie 20Min f\u00fcr 51% \u00fcbernommen habe. Die eigene Gratiszeitung Tagblatt wird eingestellt ohne je eine Nummer herausgebracht zu haben (aber diese existierte) Es ging letztlich nur darum den Preis zu dr\u00fccken. Der Preis war allerdings f\u00fcr die Presselandschaft hoch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was danach folgte war klar: ein stetig sinkende Auflage und Qualit\u00e4t bei TAMedia und der NZZ. Statt gegen den Trend zu halten mit mehr Infos, mehr, was man nicht auf dem Web lesen konnte, wurde es immer weniger. <br><br>20Min betonte, dass sie Lesende* gewonnen h\u00e4tten, die sonst nicht gelesen h\u00e4tten. Aber waren das dieselben Leser bei denen es auch um Bildung ging wie in den alten Zeitungen?  Oder anders gefragt: Sind Agenturmeldungen wirklich als &#8222;tiefgreifendes Lesen&#8220; zu bezeichnen?  Was dabei 20Min zudem verschweigt (weil es ja auch TAMedia ist): das Ganze geht nat\u00fcrlich auf Kosten der Qualit\u00e4t in den anderen Medien wie Tagesanzeiger. Die Folgen sind auch klar: Die Anspr\u00fcche an Zeitungsartikel fallen weiter. Dazu kommen immer \u00f6fter auch All-Inclusive-Redaktionen zum Einsatz, das sind Redaktionen die f\u00fcr alle angeh\u00e4ngten Medien produzieren. Qualit\u00e4t ist dann angeblich nur noch eine Einstellung beim Artikel. Was als sch\u00f6ne Welt um 2000 begann, war schnell ein Albtraum f\u00fcr Autoren* wie auch f\u00fcr Leser*. <br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Newsportale &#8211; das andere Lesen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich \u00e4ndert sich auch das Leseverhalten und Anforderungen durch digitale Texte im Web. Diese sind News und Datenbank gepr\u00e4gt. Hier kommt und gehen die Inhalte.  Es gibt keine analoge Ordnung, kein Ritual der B\u00fcnde. Niemand ist gezwungen auch nur dar\u00fcber zu bl\u00e4ttern. <br><br>Dadurch &#8211; so zumindest die Anfangshoffnug des Mediums &#8211; konnte endlich auch vertieft gelesen werden.  Es war die Idee, dass die Texte verzweigen. Das Gegenteil ist passiert : Es gibt Titel und Headers und danach wieder Bleiw\u00fcsten wie in den Jahrhunderten davor (mit Bildern ja), aber es sind klassische Texte. Der Link ist weitgehend verschwunden (da k\u00f6nnten die Leser ja &#8218;escapen&#8216; dem eigenen Brand. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Vorteil ist wie immer auch gleichzeitig der Nachteil. Zwar wurden die Texte aus ihrer Bundstruktur befreit, aber diese Befreiung f\u00fchrt nun auch dazu, dass die Texte letztlich nur noch lose verortet sind. Klar gibt es zumindest auf Newsportalen noch so etwas wie eine Ordnung via Rubriken. Aber das verschwindet, weil die Frontseite permanent wechselt. Aus einer oder zwei Stories werden 100 aus verschiedensten Bereichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welt wird also stetig linearsiert und aufgesplittet. Es ist viel schwieriger als im Aufschreibesystem Zeitung einen \u00dcberblick zu behalten. Denn das Medium generiert in nicht mal mehr im Ansatz wie in der Zeitung. Das Medium Newsportal orientiert sich eher (auch wegen der Clickhaftigkeit) eher am Newsticker und seinen permanenten Auswertungen der Artikel als einer Ausgabe pro Tag der ganzen Welt. Endlos &#8222;rattert&#8220; die Scrollschrift. In Echtzeit wird die Newsoberfl\u00e4che abgedatet. Selbst das Radio und danach das Fernsehen aktualisierte sich jeweils zur vollen Stunde oder einmal alle 6 Stunden. Bei 20Min lief etwa die Live-Statistik der Webseite an der Wand und ging es runter, musst(e) ein Artikel mit Sex oder Autos auf die vorderste Seite. Anders gesagt, TAMedia hatte mit 20Min auch sein Boulevard eingekauft. Aus t\u00e4glichem Update wurde ein Tickerupdate.<br><br>Letztlich sind wir tats\u00e4chlich im Globalen Dorf angekommen von McLuhan mit einem K\u00f6rper, dem nicht mehr einmal pro Tag oder st\u00fcndlich die Welt an den Kopf geworfen wird, sondern sek\u00fcndlich. Wir sitzen live am Stammtisch den ganzen Tag. Es ist fast nicht m\u00f6glich sich zu entkoppeln und selbst zu reflektieren. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Inline-Weltnachrichten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was diese Art von StreamingNewsdiensten betrifft, gibt es eigentlich eine einfache L\u00f6sung: Newsportale und &#8222;Social Media&#8220; m\u00fcssen gesetzlich dazu gezwungen werden, wichtige Informationen darzustellen aus all den verschiedensten Bereichen (B\u00fcnden). Heutige Datenbankinfrastruktur erm\u00f6glicht es zudem daf\u00fcr zu sorgen, dass die Sachen auch ankommen. Das ist eine M\u00f6glichkeit einen Zugang zur Welt, zu garantieren. Dabei k\u00f6nnten diese Inlineweltnachrichten von NGOs\/Wissenschaft kommen, so dass diese so wenig wie m\u00f6glich staatlich abh\u00e4ngig sind. Damit w\u00fcrde auch eine autorit\u00e4re Auslese unterlaufen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr zu den neuen M\u00f6glichkeiten zum <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=11335\" target=\"_blank\">Kommentieren in Newsportalen finden sich hier &gt;<\/a><br><br>Mehr zu narrativen Mechaniken <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-5345-8\/narrative-mechanics\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">finden sich hier &gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betrachtet man die Zeitung, so sieht man schnell, dass ihr Konzept\/Kultur stark der Gutenberggalaxis folgt. Man* k\u00f6nnte auch sagen: Die Zeitung ist das t\u00e4gliche (oder w\u00f6chentliche) Newsbuch. 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