{"id":10942,"date":"2025-02-07T07:53:39","date_gmt":"2025-02-07T07:53:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10942"},"modified":"2025-02-07T09:50:06","modified_gmt":"2025-02-07T09:50:06","slug":"wir-haben-heute-ein-bild-erschaffen-ein-vorschlag-zur-benennung-des-prozesses-und-der-resultate-im-arbeiten-mit-generativen-ais-kurzessay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10942","title":{"rendered":"&#8222;Wir haben heute ein Bild erschaffen&#8220; &#8211; ein Vorschlag zur Benennung des Prozesses und der Resultate im Arbeiten mit generativen AIs [Kurzessay]"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie sollen wir beschreiben, was wir (tun und) getan haben, wenn wir etwas herstellen bzw. hergestellt haben mit einer AIs. &#8222;Ich habe einen Text geschrieben&#8220; oder &#8222;Ich habe ein Bild gemacht bzw. generiert?&#8220; oder &#8222;Ich habe dieses Programm mit Hilfe einer AI geschrieben?&#8220; (Wobei dann die Frage des Anteils wichtig ist)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir &#8211; der ehrlichere Autor*<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Vorschlag hier: <strong>Wir sollten das &#8222;wir&#8220; verwenden<\/strong> und das aus mehreren Gr\u00fcnden. Dabei sollten wir momentan unterscheiden zwischen<strong> einem Borg-Wir<\/strong> (nach der Schwarmintelligenz der Borgs in Star Trek) und einem <strong>M\u00e4jest\u00e4tik-Wir<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Aspekt &#8211; Algoart<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Interessanterweise gibt es diese Verwechslung von ich und wir, bei generativen digitalen Arbeiten in den 80-2010er jahren nicht wirklich. Hier war klar: jemand hat den Code geschrieben, also die Grundlage f\u00fcr die algorithmische Kunst.  Und die User* haben haben damit rumgespielt. Es war\/ist also nicht \u00fcblich zu sagen: &#8222;Ich habe &#8230; &#8222;. Noch radikaler w\u00e4re es nat\u00fcrlich, wenn man sich die analoge Algoart von Tinguely und Co. anschaut etwa die Zeichenautomaten. Da war die &nbsp;Mechanik noch direkt physisch vor einem als Apparat. Hier sagt niemand: &#8222;Ich habe das erschaffen&#8220;. Es ist maximal: &#8222;Ich habe die Maschine angestossen und sie hat gezeichnet.&#8220; Andererseits konnte man bei diesen generativen Maschinen auch keine direkten Befehle geben, wie beim ChatGPT und sie anschliessend eingrenzen und ver\u00e4ndern (Parameterisierung). Die Maschine so der Eindruck, formte den Output. Die Frage ist allerdings auch bei generativen AIs &#8211; shapen nicht diese auch massiv den Output oder sind gar der Output? Legen nicht auch diese den M\u00f6glichkeitsraum fest wie klassisch analoge und digitale generative Apparate?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ichs in der Gutenberggalaxis &#8211; Prozessoren<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Ich in der GutenbergGalaxis musste immer selbst die Texte lesen, sie berarbeiten und aneignen. Erst dann konnte sie damit weiterfahren. Selbst wenn die Ichs der Gutenbergalaxis Zusammenfassungen genommen haben, mussten sie zumindest diese Zusammenfassung rudiment\u00e4r verstehen. Danach konnten sie den Text weiter prozessieren und selbst schreiben in ihrem Stil. In generativen AIs ist dieser Prozess entkoppelt. Der Text muss\/wird nicht verstanden, um ihn zu prozessieren. Auch der ausgelagerte Sklave AI hat kein &#8218;Verst\u00e4ndnis&#8216; vom Text oder hat sich diesen nicht angeeignet als Regelverst\u00e4ndnis. Es sind nicht seine Wertungen und Gewichtungen. Das Gutenberggalaxis-Ich musste alles aneignen, es ins\/ans eigene psychische Wissens- und Praxissystem einbauen. In heutigen AIs liegt das Wissen als Diskurswissen von Differenzen und Wertungen vor. Derrida l\u00e4sst gr\u00fcssen (Differenz).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Prozess<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Vorgang ist ja zumindest bei Generativen AIs bewusst als Chat angelegt. Es wird in einem Art simulierten Gespr\u00e4ch etwas &#8222;erschaffen&#8220;. Eigentlich ist das Ganze kollaborativ inzensiert. Dennoch reden viele Leute vom Endprodukt im Sinne von &#8222;Ich habe einen Text geschrieben&#8220;. Wenn es gut kommt &#8222;mit AI&#8220;.  Aber eigentlich wurde ein Text in Zusammenarbeit entwickelt. Wobei Zusammenarbeit wiederum viel gesagt ist, die meisten verwenden die AIs als eine Art Sklave. Er\/Sie\/Es\/* hat zu gehorchen. Auszuf\u00fchren. In diesem Sinn ist es ein spezielles Wir. Dieses Wir erinnert stark an ein Majest\u00e4tisches &#8211; nicht gleichgestelltes kollaboratives &#8211; Arbeiten. Es geht da eher selten, um die eigene Sicht der AI. Die AI ist eine Extension (McLuhan) &#8211; ein Tool. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Motivation: Faulheit und nicht die andere Sicht auf die Welt<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei einem Vortrag zu GameAI in einer Vorlesung zu AI an der ETH habe ich die Studierenden* gefragt, wer von ihnen AI benutze, weil er\/sie\/es\/* zu faul sei: 50% haben sich gemeldet. Die Motivation f\u00fcr AI ist damit also oft anders als bei generativer Kunst der 80er\/90er Jahre, die eben auch eine andere Sichtweise auf die Welt erwartete.  Hier soll f\u00fcr sie produziert werden, nicht weil ihnen die Skills fehlen, sondern schlicht und ergreifend, weil man* sich nicht anstrengen muss. Auch spielt massiv das Majest\u00e4tik-Wir eine tragende Rolle. Es geht nicht um die andere Sicht &#8211; eine andere Welt &#8211; eine Sicht, was ein Modell evoziert. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ethik &#8211; die ausgebeutete Menschheit<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Wir&#8220;<\/strong> w\u00e4re auch massiv ehrlicher, denn so w\u00fcrde man nicht unterschlagen, dass an diesem Text Tausende, vielleicht Millionen mitgeschrieben und mitgezeichnet haben. Denn die LLMS wurden ja mit menschlichem Input und damit menschlichen Erzeugnissen und Wertungen trainiert. All diese meist Ahnungslosen wurden ausgebeuteten. Ein Wir w\u00fcrde auch klarstellen, dass die meisten AIs eigentlich Borg-Intelligenz (Star Trek) sind. Dabei w\u00fcrde klar werden, dass die AI eigentlich die Menschheit ist (und deren Wertungen). Wir erschaffen in diesen gewichteten Netzwerken ja auch eigentlich gar nichts Neues, wir lesen nur vorhanden Diskurs und damit Gewichtungen aus. Selbstverst\u00e4ndlich lesen wir auch nie begangene Wege aus. Wir ziehen eigentlich die Diskurspfade &#8211; bestehend oder schon vorgespurt aus. Es ist eigentlich nichts weiter als angewendete Intertext-Theorie und so verwundert es auch kaum, dass die Theorie von LLMs eigentlich von der Linguistik ab den 70er Jahren entwickelt wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"block-66ca17a1-e035-4a3c-b9e7-e04ef20c0e61\">Borg-Wir und Majest\u00e4ts-Wir (das neue Ich)<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Borg-Wir ist das sich Verstehen als Gemeinschaft. Es hat vielleicht sogar einige kommunistische Z\u00fcge, indem es anerkennt, dass alle daran gearbeitet haben. Es macht keinen grossen Unterschied in den Prozessoren und anerkennt in ihren jeweiligen Anteil am Prozess. Nur weil eine Maschine menschliches Wissen &#8218;vermittelt&#8216; und ausbeutet, werden die Menschen und ihre Gewichtungen nicht herabgestuft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Majest\u00e4tische Ich, das Wir meint<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Majest\u00e4ts-Wir (das vermutlich  neue Ich) dagegen ist ein Wir, das wir von K\u00f6nigen kennen. &#8222;Wir sind heute aufgestanden&#8220;. Was durchaus realistisch ist, denn er wurde gewaschen, angekleidet etc. Und so ist es auch beim Verfassen von Texten\/Bildern mit AI. Gearbeitet hat vor allem die AI und darin enthalten all die Anderen. Im Fall des K\u00f6nigs das gemeine Volk. Wenn ein Majest\u00e4ts-Wir sagt: Ich habe dieses Bild gemacht mit ChatGPT, dann meint es: Ich habe meine Sklaven rausgeschickt. Es ist dieses: Dieses Kirche wurde von K\u00f6nig XYZ erbaut. Selbstverst\u00e4ndlich wurde es nicht von K\u00f6nig XYZ erbaut. Es wurde angeordnet und letztlich sogar bezahlt von seinen Untertanen.<\/p>\n\n\n\n<p>Generative ChatBots verbergen genau das und geben uns diese Majest\u00e4tsgef\u00fchl. Wir haben da einen Sklaven, der keine eigenen Bed\u00fcrfnisse hat und nicht wieder sprechen k\u00f6nnen. Man kennt dieses Majest\u00e4ts-Wir oder Ich nat\u00fcrlich auch von Chefs* oder Kollegen*. Es geht dabei fast immer auch um Macht. Insofern ist ChatGPT und Co eine Fortsetzung der Idee des Computer mit der Turing Maschine: Es ist ein kleiner Mensch, der f\u00fcr uns als Sklave arbeitet. Nur jetzt nicht mehr nur einer, sondern die gesamte Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist auch das neue Ich: Seine Kompetenz besitzt nicht mehr dieses Ich, sondern die AI und damit die Menschheit. Wir werden wohl bald viele Menschen sehen, die noch weniger Allgemeinbildung haben, weil es einfach nicht mehr ben\u00f6tigt wird, wenn es auf Knopfdruck dazu sein scheint. Wenn es eine Art Extension ist im immer verf\u00fcgbaren Handy. Wir werden also bald sehen, was eine Gesellschaft ist, die Wissen nicht mehr ins eigene System aneignet sondern nur noch als Fakten extern respr\u00e4sentiert hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gesellschaft &#8211; Trumps &#8222;Wir&#8220; und wir AI-Nutzer*<\/h2>\n\n\n\n<p>Interessanterweise sehen wir gerade in der Weltpolitik dieses majest\u00e4tische Wir wieder bei <strong>Herr Trump<\/strong> und Co bei der Arbeit. Es regiert die Welt genau als dieses Neu-Ich oder als Majest\u00e4tisches Wir, nur halt mit echten Menschen &#8211; w\u00e4hrend die gemeine Welt gerade ihre kleinen Sklaven als ChatGPT bedient.  Der Wunsch ein Majest\u00e4tisches Wir zu sein wird aber nach den digitalen Sklaven auch wieder auf die analoge Welt \u00fcberschwappen. Herr Trump ist ein Vorbote davon. <\/p>\n\n\n\n<p>Wer also sein ChatGPT anwirft jeden Tag, sollte immer auch ein bisschen an den Trump in sich denken. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sollen wir beschreiben, was wir (tun und) getan haben, wenn wir etwas herstellen bzw. hergestellt haben mit einer AIs. &#8222;Ich habe einen Text geschrieben&#8220; oder &#8222;Ich habe ein Bild gemacht bzw. generiert?&#8220; oder &#8222;Ich habe dieses Programm mit Hilfe &hellip; <a href=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10942\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10942"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10942"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10942\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10976,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10942\/revisions\/10976"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10942"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10942"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10942"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}