{"id":13527,"date":"2026-10-28T10:27:29","date_gmt":"2026-10-28T10:27:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=13527"},"modified":"2026-10-28T10:38:03","modified_gmt":"2026-10-28T10:38:03","slug":"das-haessliche-im-display-und-gamemechanik-oder-das-andere-in-games-kurzdiskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=13527","title":{"rendered":"Das &#8222;H\u00e4ssliche&#8220; im Display und Gamemechanik oder das Andere in Games [Kurzdiskussion]"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das &#8222;H\u00e4ssliche&#8220; war immer schon ein gesellschaftliches Problem. Lange galt es klar, was das H\u00e4sslich sei und dass es zu bek\u00e4mpfen w\u00e4re &#8211; im Sinne des Guten.  Das H\u00e4ssliche war so etwas wie ein anthropologische Konstante. Dabei wurde das H\u00e4sslich nat\u00fcrlich in diesem Diskurs mit negativen Dingen in Verbindung gebracht wie Zerst\u00f6rte K\u00f6rper, Tod, Armut etc.  Im Sinne von das Sch\u00f6ne und Gute. Und dann waren halt gewisse Dinge grausig und oft auch eklig. Also oft mit K\u00f6rperreaktionen verbunden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Griechen und R\u00f6mer<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dinge mussten sch\u00f6n sein und dann auch noch gut. Der Teufel etwa sah sicher h\u00e4sslich aus, aber dann auch wieder h\u00fcbsch und verf\u00fchrerisch, quasi das falsch sch\u00f6ne. Aber die griechischen und r\u00f6mischen Vorbilder &#8211; alles sch\u00f6n. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">War Christus h\u00e4sslich? Oder sollte er h\u00e4sslich dargestellt werden?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessanterweise hat sich auch das Christentum damit auseinandergesetzt. Normalerweise war etwa Jesus h\u00fcbsch. Einige fragten im Mittelalter zu recht: Ist das aber nicht zu einfach. Jemanden sch\u00f6nen zu &#8222;lieben&#8220; sei ja quasi &#8222;billig&#8220;, zu einfach. Und deswegen wurde sehr dar\u00fcber gestritten, dass Jesus eigentlich h\u00e4sslich sein m\u00fcsse. Erst das sei eine Herausforderung.  Mainstream wurde diese Sache nicht, die &#8222;Kunst&#8220; jener Jahre lobte den Gott mit viel Prunk und Pump &#8211; ein Teil der Kirche ist bis heute so geblieben. Darum auch die Kunst, ob es in diesen Gesellschaften \u00fcberhaupt Kunst im modernen Sinne gab. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teufel! F\u00fchre mich nicht in Versuchung. <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Linie zog sich nat\u00fcrlich weiter, sei es in Romanen, der Musik. Hier wird das &#8222;Harmonische&#8220; als sch\u00f6n &#8222;empfunden&#8220; oder gar &#8222;gut&#8220;. Dabei gibt es nat\u00fcrlich dann auch den Diskurs dagegen etwa des &#8222;Verf\u00fchrerischen&#8220; oder &#8222;Nicht alles was gl\u00e4nzt, ist Gold&#8220;. Dahinter steckt aber dennoch meist der Diskurs des Sch\u00f6nen. Und selbstverst\u00e4ndlich galt lange die Natur als h\u00fcbsch und gut, schm\u00fcckte Jahrhunderte die Welt der Architektur, der Gegenst\u00e4nde. Es gab sogar die Suche nach der Idee des Guten und Sch\u00f6nen, der perfekten Form, was wiederum meint der Zeitlosen Form. Oder moderner: Der anthropologisch ewigen sch\u00f6nen Form. Schlimm war in diesem Wertesystem nat\u00fcrlich das erste Haus in Wien, das quasi nakt war. Es besass keine Ornamente und das im 19 Jahrhundert. Es war quasi nur noch abstrakte Form &#8211; etwas was sp\u00e4ter auch so gesucht wurde. Etwas jenseits der klassischen Kultur. Das Geometrische. Das kann ja nicht h\u00e4sslich sein, das sind ja nur perfekte Formen. Auch das ist nat\u00fcrlich ein bisschen naiv.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Diktatur des &#8222;Sch\u00f6nen&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee Gut und Sch\u00f6n zu verbinden und damit die Welt massiv einfacher zu machen, ihr die Ambiguit\u00e4t zu nehmen, sie einfach lesbar zu machen, f\u00fchrte dann nat\u00fcrlich auch direkt hin\u00fcber zu Lavaters Physiognomien (ZH) und seinem, dass man gut und schlecht auch an der Oberfl\u00e4che der Menschen sieht. Die Nazis machten dann da weiter. Und versuchten alles zu Designen in ihrem Totalit\u00e4ren System &#8211; ein ewiges Reich &#8211; entzeitlicht. Enthoben der Ver\u00e4nderung. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sch\u00f6nen Dinge<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nicht nur da hing man dem Ewigen an:  Wer heute Gegenst\u00e4nde anschaut, dann m\u00fcssen die auch &#8222;Gut&#8220; aussehen, \u00e4sthetisch sein. Man denke etwa auch an das Bauhaus (das ja gerade weitermacht mit den nakten und konstruierten H\u00e4usern), bei der die Form weiterhin eine Rolle spielt oder an Max Bill und die &#8222;Die gute Form&#8220;.  Und sei es auch nur die gute und reine Form. Dinge die helfen Sachen schnell zu entschl\u00fcsseln. Die Musik funktionierte ja auch lange so.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Welt &#8211; ein auch h\u00e4sslicher Ort (im Alten System der Dinge)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist selbstverst\u00e4ndlich Sch\u00f6nheit etc. auch Teil der Kultur, der Wertung und der Konstruktion. Das zeigt gerade auch das nakte Haus in Wien klar. Heute ist der Betonschick nicht mehr wegzudenken. Aus Fabrikhallen wurden sch\u00f6ne Orte etc.  Lange Zeit aber war die H\u00e4sslichkeit dem Teufel zugeschrieben Art der \u00c4sthetik (siehe auch Lavater) wurde dann sp\u00e4ter im Symbolismus, Brutalismus, Kunstbewegungen und radikal im Punk ersch\u00fcttert. Nicht desto trotz ist sie weiterhin da &#8211; als Mainstreambewegung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele der obigen Bewegungen werteten Dinge um, etwa Kurzgeschorene Haare als Verbindung\/Sympathie mit den Ausgestossenen, den H\u00e4ftlingen (die sie im dritten Reich oder in totalit\u00e4ren Systemen nicht nur symbolisch sind) oder sp\u00e4ter Alltagsgegenst\u00e4nde als Kunst oder Trash als Ausgangspunkt (normalerweise ganz h\u00e4sslich), um neue Dinge zu schaffen. Quasi aus dem Abfall der Gesellschaft. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wertung von \u00c4sthetik (visuellen Rules) vom System abh\u00e4ngig<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All diese Systeme machten neue Systeme denkbar und m\u00f6glich und relativierten nur eine Art von \u00c4sthetik oder System, waren auch ein Antistatement zur &#8222;sch\u00f6ne&#8220; Regeln wie etwa dem goldenen Schnitt. \u00c4sthetik wurde unabh\u00e4niger vom Massensystem oder anders gesagt dem LLM eines Hauptsystems. Es wurde auch individueller. <br><br>Gut und B\u00f6se oder H\u00e4sslich und Sch\u00f6n wurden wie alles andere zu einer Konstruktion oder wie es George Spencer Brown in Z\u00fcrich mal gut sagt: &#8222;Gut, ist was deine Mutter sagte, sei gut&#8220;. Dies zeigt gerade etwa auch die Punkkultur. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gute und Sch\u00f6ne wurde damit zu etwas, was zu einem bestimmten System geh\u00f6rt. Und da muss man nicht nur an totalit\u00e4re System wie die Nazis denken, die versuchten auch die Welt zu designen und so von aussen prorammierbar zu machen oder indirekt die Menschen zu beeinflussen von Architektur bis zu den Kleidern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen waren Punks unterwegs mit Kleidern, die zu ihrem System geh\u00f6rten, die in ihren Augen Zugeh\u00f6rigkeit und anders waren. Die ein ewiges System und seine Werte zutiefst anders dachte, als Gegensystem. Dabei wird jedes System nat\u00fcrlich irgendwann selbst zu einer statischeren Form\/Regeln, wenn sie nicht ewige Revolte als Form bzw. Regeln hat. Visuelle Regeln sind ja nichts anderes als andere Regeln in Systemen und eben auch Motivation. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Fiktion und die Kunst<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fiktionalen Medien wie etwa Kunst hatten sowieso immer Probleme mit dem B\u00f6sen und H\u00e4sslichen. Denn es kam automatisch vor, wenn man sich mit Dingen auseiandersetzt, denn die Welt ist eben nicht nur sch\u00f6n sondern die Welt. H\u00e4sslich und sch\u00f6n. Und Sch\u00f6n und H\u00e4sslich ist eben nicht dasselbe, das h\u00e4tte man sp\u00e4testens nach dem Naziregime \u00fcber Europa begreifen sollen. Hat man anscheinend aber nicht. Denn Menschen sind eben nicht ihre visuelle Oberfl\u00e4che, sie sind Handeln, innere Werte. Die b\u00fcrgerliche Gesellschaft und auch viele Liberale verlangen bis heute eine Schein und Sein Gleichheit, weil alles andere, verschiedene Rollen zu kompliziert sind f\u00fcr sie. Dabei spielen wir immer gesellschaftliche Rollen und ein Arbeitsleben ist selbst heute fast nicht lebbar &#8211; wenn die Person auch gleichzeitig die Arbeitspersonrolle ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dieser Diskrepanz muss man leben, das ist die unhintergehbare Sache der Welt oder sagen wir der sozialen Welt. Gut und B\u00f6se in dieser Abstraktion sind ja auch keine eigentlichen Werte sondern sind viel zu Statisch in einer sozialen Realit\u00e4t. Und gewisse Kunst funktioniert gerade deswegen, weil es eben kein System mehr ist, das nur eine Differenzierung hat gut\/b\u00f6se  oder h\u00e4sslich\/b\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fiktionale Gegenst\u00e4nde<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil fiktionale Gegenst\u00e4nde wie Kunst oder als Medien Text, Filme und Spiele n\u00e4her oder weniger &#8222;nah&#8220; an der Welt liegen, sind sie nat\u00fcrlich selbstverst\u00e4ndlich auch offener geworden oder erm\u00f6glichen es schon immer offener zu sein, denn sie sind letztlich Konstrukte. Sie entwerfen Welt neu und anders, denn sie sind nicht die Welt oder wenn ein Teil davon. Sie sind eine eigene Welt. <br><br>Und diese eigene Welt aus Reglen mit mehr weniger Regeln aus dem &#8222;Physischen&#8220; oder &#8222;Realen&#8220; machen diesen Magic Circle aus. Und Fiktion wie Spiele leben geradezu \u00f6fters von den Polen &#8222;Gut &#8211; B\u00f6se&#8220; oder &#8222;Lokal Gut &#8211; B\u00f6se&#8220; und entwickeln dadurch Spannung, Offenheit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie soll man das nun darstellen? Die Literatur, der Film haben verschiedenste Formen gefunden, interessanterweise sind sie sehr oft, sehr Stereotyp gerade im Game. Da st\u00f6rt sich dann auch niemand am Zusammenschluss von Innen und Aussen wie bei Lavater. Die Stereotypen sind dabei so &#8222;h\u00e4sslich&#8220;, dass man sich \u00f6fters fragt: Geht es eigentlich noch?  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Game B\u00f6se oder die Visualit\u00e4t des B\u00f6sen (Koh\u00e4renz)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dennoch muss dieses B\u00f6se in den Roman, in den Film, ins Game. Die meiste Literatur, Film, Games machen dies indem sie mit Gestaltungsregeln arbeiten, die \u00fcberall gelten. Und dann wird das B\u00f6se da eingebettet. Es gehorcht als &#8222;B\u00f6ses&#8220; dabei der Fiktion und f\u00e4llt selten raus. Das B\u00f6se ist selten in andere Art von Beschreibung, Einstellung oder Filmsprache unterwegs. Noch am ehesten im Horrorfilm wird hier experimentiert oder bei den Aussagen von Personen, aber nicht der Beschreibung davon. Dies ist vorallem bei visuellen Medien am weitesten verbreitet &#8211; so der Eindruck &#8211; hier ist das B\u00f6se leicht anders dargestellt etc. Bei Games etwa wird oft eine Bildsprache f\u00fcr alles gesucht und dann darin das B\u00f6se embedded. Die Koh\u00e4renz ist dabei gew\u00e4hrleistet. Selbst das B\u00f6se f\u00e4llt nicht aus dem Rahmen oder ist wie bei der christlichen Kirche Teil von Gott und seiner Sch\u00f6pfung (Reentry of the form, um mit Spencer Brown zu sprechen). Die meisten Games gehen dar\u00fcber nicht hinaus. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Angst besteht, dass sonst der Magic Circle, die Imagination zerst\u00f6rt wird. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neben diesen Display Regeln: Spielmechanikregeln<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Gut und was B\u00f6se ist wird in Games meist schnell klar. Das Spiel belohnt die im System wichtigen Aktionen\/Spielmechaniken. Das heisst: &#8222;Mami &#8211; alias Games &#8211; sagt schnell, wo es langgeht&#8220; Und damit ist dann auch klar, was &#8222;Gut&#8220; ist. Die meisten Games folgen diesem Gedanken schnell und radikal und meist auch sehr einfach. Das wird dann auch meist visuelle so unterst\u00fctzt, das &#8222;Richtige Verhalten&#8220; wird mit klassischen Werten der Gesellschaft positiv bewertet und eben auch negative bestraft. Der Avatar stirbt oder er kriegt goldene Sterne, Punkte. Dasselbe gilt nat\u00fcrlich auch auf der Soundebene oder teilweise in der Steuerung (etwa bei ShootEmUps mit Speed-Extras). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich l\u00e4sst sich die klassische minimalste Definition von  Sch\u00f6nheit als ein einfaches Regelwerk lesen, etwa auch in der Spielmechanik. Clean, Sauber und Sch\u00f6n. Eine sehr einfach Sache. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier k\u00f6nnen Dinge nicht passen, kein &#8217;sch\u00f6nes&#8216; Bild aus Regeln ergeben. Hier w\u00e4re das H\u00e4ssliche dann unpassende Regeln, zum Setting zur Regelmechanik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein h\u00e4ssliche Spielemechanik kann aber auch nat\u00fcrlich auch in der Kategorie sozial h\u00e4sslich sein, oder Werte h\u00e4sslich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zusatz &#8211; Mach eine h\u00e4ssliche Demo<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein interessantes Experiment in einem Rahmen mit seiner eigenen Kultur, etwas zu machen, das dem widerspricht, also die Regeln nicht beachtet oder anders gesagt, etwas &#8218;h\u00e4ssliches&#8216; \/ Unpassendes macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen von CHludens entstand folgende Demo:<br><a href=\"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=3393\">https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=3393<\/a><br><br>Dabei ging es genau um diese Frage: Was ist &#8222;H\u00e4sslichkeit&#8220; in diesem System. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &#8222;H\u00e4ssliche&#8220; war immer schon ein gesellschaftliches Problem. 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