{"id":1390,"date":"2010-09-29T09:46:57","date_gmt":"2010-09-29T08:46:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1390"},"modified":"2010-09-29T09:46:57","modified_gmt":"2010-09-29T08:46:57","slug":"die-weiterentwicklung-der-marchen-elektronische-spiele-games","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1390","title":{"rendered":"Die Weiterentwicklung der M\u00e4rchen: Elektronische Spiele (Games)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.25.57.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1399\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.25.57\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.25.57-300x224.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" \/><\/a>Elektronische Spiele (im deutschen Sprachraum \u00a0auch \u201eGames\u201c genannt) sind technologisch, inhaltlich, strukturell, \u00a0magisch, psychologisch, soziologisch und machttheoretisch die Weiterentwicklung\u00a0 der Brettspiele und vor allem der M\u00e4rchen. Anders formuliert: Games sind nicht mehr nur erz\u00e4hlte oder verfilmte \u201eM\u00e4rchen\u201c, sondern sind interaktiv erlebbare M\u00e4rchenmedien: Best\u00e4tigungs- und soziale Bes\u00e4nftigungsmaschinen.<br \/>\n<strong>Technischer und kultureller Background<\/strong><br \/>\nGames bauen technologisch auf dem Medium \u201eComputer\u201c auf.\u00a0 Marshall McLuhan hat dazu bemerkt: \u201eThe medium is the message\u201c und \u00a0hat damit beschrieben, welche Vorteile auch das Medium \u201eComputer\u201c hat: Ein neueres Medium ist in der Lage \u00e4ltere Medien und Technologien zu \u201esimulieren\u201c oder umgangssprachlicher: \u201eaufzunehmen\u201c. So kann ein Computer Texte darstellen, T\u00f6ne abspielen, T\u00f6ne aufnehmen, Bilder bewegen \u00a0und nat\u00fcrlich auch alles Digitale manipulieren. \u00a0Games sind gespickt mit diesen M\u00f6glichkeiten und werfen praktisch alles in Gefecht, wenn es darum geht den Spieler zu \u201efesseln\u201c: Bilder, Ton, \u00a0Videos,\u00a0 3D-Echtzeitanimation und Interaktion. \u00a0Dabei gilt immer: Spiele kontrollieren den Raum und was darin passiert, in diesem Sinn sind sie immer Cyberspace und wir als Spieler bewegen uns in diesen kybernetischen Simulation. Sie existieren nur f\u00fcr uns.<br \/>\n<strong><!--more-->Struktur und Inhalt<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1401 alignnone\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.26.22\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.26.22.png\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"225\" \/><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.30.35.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1403 alignnone\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.30.35\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.30.35-300x214.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"214\" \/><\/a><br \/>\nDer Aufbau von Games ist oft ganz in der Tradition der klassischen und semiotisch erforschten M\u00e4rchen mit ihren Tiefenstrukturen. Meist gibt es am Anfang einen Mangel oder anders gesagt ein Problem (die Prinzessin wurde entf\u00fchrt in SuperMario) einen B\u00f6sewicht (Buzzer, er stiehlt die \u201eFrau\u201c), einen Helden (Super Mario), einen Gewinn (die Prinzessin) und einige Abenteuer, die \u00a0zu bestehen sind. Und nicht zu vergessen: Es gibt immer ein beruhigendes Happy End. Dem Spiel (und damit dem Gamedesigner) stehen alle m\u00f6glichen Tricks und Tricks zur Verf\u00fcgung, so dass der potentielle Held(= Spieler) das Problem nicht so schnell l\u00f6st und sich herausgefordert f\u00fchlt. Elektronische Spiele sind dabei sowohl der Boden auf dem man spielt, wie auch steuern sie wogegen und was man (etwa als Avatar) spielt. Dabei realisieren sie, was sonst die Erz\u00e4hlerin (wie Mutter, Grossmutter, Grossvater oder die Geschwister) erz\u00e4hlen und die Einbildung der Kinder versinnlicht. Dabei geht nat\u00fcrlich ein Teil der Imagination verloren (Jeder Medienwechsel (Transposition) ver\u00e4ndert den Inhalt), andere M\u00f6glichkeiten (wie Wiederholbarkeit) kommen hinzu. Man sieht in einem Spiel H\u00e4nsel und Gretel durch eine erfahrbare Landschaft gehen.<br \/>\n<strong>Magie<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.29.06.png\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1402 alignnone\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.29.06\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.29.06-300x226.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"226\" \/><br \/>\nUnd dennoch: Elektronische Spiele vermitteln noch magische Momente. \u00a0Es gibt \u201eunnat\u00fcrliche\u201c Verwandlungen am Laufmeter: Es tauchen Figuren aus dem Nichts auf oder SuperMario wir beim Aufsammeln eines \u00a0\u201eMushroomzum zum Riesenmario (etwa in New Super Mario Bros). Hier trifft sich die Struktur des M\u00e4rchen mit dem Medium \u201eGame\u201c. Es ist deswegen kein Zufall, dass elektronische Spiele sich bei M\u00e4rchen bedienen, denn in ihrem Inneren gibt es keinen inneren Zusammenhang, sie sind reine Programmierung und es funktioniert wie im M\u00e4rchen eine magischen Sprache dahinter, die alles steuert. Insofern sind Spiele total in Funktion aufgel\u00f6ste Objekte [siehe Baudrillard: System der Dinge]. Eine magische Sprache werkelt in einem Game, die aus einem Apfel ein Haus machen kann oder aus geschriebenen W\u00f6rtern werden Objekte in der Welt wie in \u201eScribblenauts\u201c.<br \/>\n<strong>Psychologisch, sozial<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.27.28.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1405 alignnone\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.27.28\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.27.28-300x219.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"219\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.49.46.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1411\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.49.46\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.49.46-300x200.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><br \/>\nAuch psychologisch entwickelt das Game das M\u00e4rchen weiter. Kinder k\u00f6nnen beim erz\u00e4hlten M\u00e4rchen oder beim Lesen die schlimmen \u201eStellen\u201c \u00fcberstehen, da sie um das \u201eGute Ende\u201c wissen. Games radikalisieren diese Aspekte. Das Buch \u201eSpiele verstehen\u201c (Kapitel M\u00e4rchen) von J\u00fcrgen Fritz zeigt auf, dass Spiele \u00e4hnlich funktionieren: Zum ersten reagieren sie auf den Spieler: Der Spieler denkt, das Spiel sei nur f\u00fcr ihn da. Die meisten Spiele sind dar\u00fcber hinaus einfach wie die M\u00e4rchen aufgebaut oder verwenden M\u00e4rchenstrukturen. Zus\u00e4tzlich kommt hinzu, dass \u2013 anders als beim M\u00e4rchen \u2013 der Spieler sich weiterentwickelt und besser wird, das Spiel aber immer gleich schwierig bleibt. Dadurch wird das Spiel zu einem Art Best\u00e4tigungsmechanismus, der dem Spieler ein gutes Gef\u00fchl gibt, auch wenn er nicht immer gewinnt, die Herausforderung bleibt.<br \/>\n<strong>Dispositive der Macht und der Sinn<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1400\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.26.53\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.26.53-300x157.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"157\" \/><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.51.10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1412\" title=\"Bildschirmfoto 2010-09-29 um 10.51.10\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-09-29-um-10.51.10-300x209.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"209\" \/><\/a><br \/>\nDas elektronische Spiel hat damit die Spielregeln der klassischen Spiele (Konkurrenz ist hier die Hauptmotivation) \u00a0\u00fcbernommen und ist dank seiner elektronischen M\u00f6glichkeiten in der Lage \u201eM\u00e4rchenstrukturen\u201c aufzubauen und sie gerade bei Singerplayern zu nutzen (etwa bei Tetris \u2013 jede volle Linie ist ein HappyEnd). \u00a0In Multiplayernspielen spielt man zumindest auf neutralem Boden mit einfachen Regeln. Diese Gamem\u00e4rchen sind nun viel weiter gesellschaftlich einsetzbar: Vom kleinen Kind bis zum 70j\u00e4hrigen, denn der Spieler wird immer gegen Tetris verlieren und steht dennoch immer im Mittelpunkt. Wie die M\u00e4rchen funktionieren nun auch die Games: Sie fordern den einzelnen Spieler heraus, best\u00e4tigen den Einzelnen im Spielen und\u00a0 bes\u00e4nftigen ihn gleichzeitig. Dar\u00fcber hinaus lernt der Spieler, dass er sich weiter anstrengen soll, denn am Ende k\u00f6nnte ein Happy End warten oder zumindest ein Prinz. Mit diesen Eigenschaften sind Games dazu geeignet zu unterhalten und gleichzeitg Sinn zu stiften in einer von Gott befreiten sinnlosen Welt. Games geh\u00f6ren deswegen l\u00e4ngst zu den wichtigsten &#8222;St\u00fctzen&#8220; des gesellschaftlichen Systems von der Kindheit bis ins hohe Alter.<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/books.google.ch\/books?id=WDHIf8OsrVIC&amp;printsec=frontcover&amp;dq=j\u00fcrgen+fritz+spiele+verstehen&amp;source=bl&amp;ots=2BXmQolNNX&amp;sig=E5Mbbqm2gdqCcAavLCxdR1vIXTY&amp;hl=de&amp;ei=nPuiTKe4EIygOJKalJIE&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=1&amp;ved=0CBkQ6AEwAA#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\">Spiele verstehen\u201c, J\u00fcrgen Fritz.<\/a><br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1220\" target=\"_blank\">System der Dinge, Baudrillard.<br \/>\n&#8211; <\/a><a href=\"http:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/3-643-10189-1\" target=\"_blank\">(Sinn-)System Shooter, Mela Kocher, Beat Suter, Ren\u00e9 Bauer. In: Shooter. Eine multidisziplin\u00e4re Einf\u00fchrung.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elektronische Spiele (im deutschen Sprachraum \u00a0auch \u201eGames\u201c genannt) sind technologisch, inhaltlich, strukturell, \u00a0magisch, psychologisch, soziologisch und machttheoretisch die Weiterentwicklung\u00a0 der Brettspiele und vor allem der M\u00e4rchen. 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