{"id":2324,"date":"2011-04-24T15:20:30","date_gmt":"2011-04-24T14:20:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=2324"},"modified":"2011-04-24T15:20:30","modified_gmt":"2011-04-24T14:20:30","slug":"immer-dieselben-spiele-und-spielkonzepte-kulturelle-aktualisierung-der-spielschematas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=2324","title":{"rendered":"Immer dieselben Spiele und Spielkonzepte &#8211; kulturelle Aktualisierung der Spielschematas"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2331\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-14 um 23.23.58\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-14-um-23.23.58-300x157.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"157\" \/><br \/>\n<em>&#8222;<strong>Neues Spielkonzept? Das war ja vor 10 Jahren dasselbe, dieselbe Idee. Da gibt es kein Weiterkommen &#8211; es ist zu 99% nur &#8218;Technik&#8216;- getriebene sch\u00f6nere Grafik, das war es.&#8220; <\/strong><\/em>Man h\u00f6rt diese Klage immer wieder und die Klage kommt vor allem von Leuten, die in der Spielszene schon l\u00e4nger unterwegs sind (oder die sich historisch mit der Spielkulturszene auseinandersetzen). Darauf antwortet eine j\u00fcngere Generation oder Casual Gamer \u00a0nur schulterzuckend:\u00a0<em><strong>&#8222;Na und wenn schon? F\u00fcr mich ist es neu und macht mir Spass.&#8220; <\/strong><\/em>Was hier aufeinander prallt, sind Ansichten und Wertungen rund um die Kulturtechnik des Aneignens und Umarbeitens von Kulturgegenst\u00e4nden &#8211; Grundlage ist dabei, dass es etwas gibt, worauf man aufbaut oder wovon man sich distanziert. Werden kulturelle Gegenst\u00e4nde etwa Spielmechanismen nicht immer wieder &#8222;neu&#8220; aktualisiert, gehen sie gesellschaftlich vergessen und verschwinden langsam.<!--more--><br \/>\n<strong>Eine Spielszene &#8211; zwei Usergruppen<\/strong><br \/>\n<strong> <\/strong>Die elektronische Spielszene ist alt geworden inhaltlich wie auch personell. Das merkt man etwa daran, dass es \u00fcberhaupt eine &#8222;Retrowelle&#8220; gibt und dass neue Spiele nun auf \u00e4lteren technisch bedingten Grafikstandards basierend als &#8222;neu&#8220; angesehen werden. Auf der Ebene der Spieler ist es zu einer Art Aufspaltung der Szene gekommen: Es gibt auf verschiedenen Ebenen Spieler: <strong>Asynchrone Sp<\/strong><strong>ieler (die schon ewig dabei sind &#8211; Zitat 1)<\/strong> und <strong>synchrone Spieler <\/strong><strong>(kurz dabei oder Gelegenheitspieler &#8211; Zitat 2)<\/strong> F\u00fcr die Gamedesigner stellen sich dadurch neue Fragen: F\u00fcr wen produziere ich? Muss ich die Spiele \u00fcberhaupt in Sachen Gameplay weiterentwickeln oder reicht auch ein sch\u00f6neres Remake zu machen? Hat mein Spiel eine Remake-Zeit von 2 Jahren oder reichen schon 4 Monate?<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.43.03.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2387\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-22 um 12.43.03\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.43.03.png\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"279\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Ein Steinbruch &#8211; die entstandenen Spiele der letzten 25 Jahre<\/strong><br \/>\nBeim Altern der Spielszene wurde ein grosser Berg von Spielen aufgesch\u00fcttet, bei dem man sich bedienen kann und dies auf allen Ebenen der Gamekultur: von der Story, \u00fcber die Settings, Sound, Grafik bis hin zu den Gamemechaniken. In der Gameindustrie l\u00e4uft nun ein Prozess, den wir schon lange aus der Filmindustrie und Kultur allgemein kennen: Jedes Jahr kommt ein Remake von einem alten Klassiker raus. Die asynchronen Filmzuschauer &#8211; reiben sich die Augen und sagen: &#8222;Schon wieder ein Remake von &#8218;Planet der Affen&#8216;,&#8216; Herr der Ringe&#8216;, &#8218;True Grit&#8216; oder &#8218;Der Tag an dem die Erde stillstand'&#8220;. Weiter kann man fragen: &#8222;Und warum gerade jetzt?&#8220; Die entstehenden und ausgew\u00e4hlten Filme (Theaterst\u00fccke, Texte etc) sind dabei immer angepasst an die jeweilige Kultur. Die Story, das Set wird angepasst: aus Umweltverschmutzung oder nuklearer Verstrahlung wird Gentechnologie etc. Vieles f\u00e4llt auch aus der kulturellen Reproduktion, wir f\u00fcrs erste mal vergessen. (Wer erinnert sich noch an das Game Spindizzy World? Nicht alle dieser Spiele der Amiga\/Atari ST-Zeit waren etwa nicht erfolgreich oder nicht kultig (Konkret haben viele Firmen dieser Zeit das Ende der Homecomputer-Area nicht \u00fcberlebt).<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.35.44.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2383\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-22 um 12.35.44\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.35.44-300x205.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"205\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.36.00.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2384\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-22 um 12.36.00\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.36.00-300x215.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"215\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Eine Konsumgesellschaft braucht Remakes &#8211; f\u00fcr die \u00a0Konsumenten der n\u00e4chsten Generation<\/strong><br \/>\nDabei ist nat\u00fcrlich klar: Die Remakes sind n\u00f6tig f\u00fcr unsere Konsumgesellschaft, die mehrheitlich nur synchron (hier und jetzt) konsumiert. Nur was aktuell ist, kann ein Hit und damit reproduziert werden. Nur was gerade im Kino kommt und in der Aufmerksamkeits\u00f6konomie gerade im Fokus steht ist &#8222;hip&#8220; und &#8222;aktuell&#8220; und steht dann unter aktuell im Gamemagazin. Dabei ist klar: Das Orginal des Remakes hat schon mal gesellschaftlich &#8222;funktioniert&#8220; und schliesst an eine vorhande Kultur an. Ein heutiger Jugendlicher w\u00fcrde den &#8222;orignalen&#8220; &#8222;Der Tag an dem die Erde stillstand&#8220; \u00a0aus dem Jahr 1951 in schwarz und weiss niemals sehen. Der Film kommt einfach nicht im Kino, wird nirgends besprochen, ist angestaubt. Die Aliens kommen um die Erde zu s\u00e4ubern, weil sie zuviel Krieg veranstalten. Spielt aber ihr \u00a0Kanu Reeves\u00a0mit (den sie vielleicht noch aus Matrix kennen) und geht es um die schwindende Artenvielfalt, f\u00fchlt man sich da schon mehr im &#8222;Heute&#8220;.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.38.56.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2385\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-22 um 12.38.56\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-22-um-12.38.56-300x203.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"203\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Wie steht es um die Aktualisierung bei Games?<\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-weight: normal;\">Wenn ein Kulturgut \u00a0immer wieder auf den neusten Stand gebracht werden muss, dann trifft das in ganz krassem Fall auf die Games zu. Hier ver\u00e4ndert sich die Zielgruppe von Kind \u00fcber Jugendlicher \u00a0bis hin zu Erwachsenen enorm schnell. Man kann also nicht einfach 25 Jahre bis zum Remake warten. In relativ kurzer Zeit wird diese Community ausgetauscht und es kommt eine neue Generation. Dieses &#8222;Spielfenster&#8220; wurde in den letzten Jahren ausgeweitet mittels Social Games und SmartPhone-Spiele. Heute kann jeder die klassischen Spiele immer und \u00fcberall spielen. Meist ist diese Entwicklung aber mehr technologisch als gesellschaftlich-relevant (eher eskapistisch) getrieben.<\/span><\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.30.46.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2404\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 12.30.46\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.30.46-300x217.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"217\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.30.21.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2405\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 12.30.21\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.30.21-300x199.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Technologische Aktualisierung: Visuals und Interface<\/strong><br \/>\nBei Games wird meist nur das visuelle Frontend ersetzt, das Interface angepasst.\u00a0<strong><span style=\"font-weight: normal;\">Alle paar Jahren (um die 5 Jahre bei den Konsolen) \u00a0kommen wieder neue Technologien auf den Markt, verabschieden sich Konsolen als Reproduktionm\u00f6glichkeit. Es wird rumgewerkelt an der Ausgabe (HD, 3D) oder am Input. Hier m\u00fcssen Gamekonzepte \u00fcberarbeitet werden auf die neue Spielehardware, ein oder zwei neue Konzepte(Mechanismen) abh\u00e4ngig vom Input oder Output entstehen. <\/span><\/strong>Es kann neu gekauft werden.Viele Spielkonzepte\/Spielschemas mussten etwa in den letzten Jahren auch den Sprung von 2D auf 3D repdrouktiv &#8222;\u00fcberleben&#8220;. Viele haben diesen Sprung nicht \u00fcberstanden, andere wurden weitertradiert. Einige wenigen schaffen etwas Neues (etwa Super Mario Galaxy nach den Jahren mit Super Mario Starshine etc.).<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.28.11.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2402\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 12.28.11\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.28.11-300x180.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"180\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.28.01.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2403\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 12.28.01\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-12.28.01-300x214.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"214\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Aktualisierte \u00a0Spielschematas &#8211; mehrheitlich Fehlanzeige<\/strong><br \/>\nWie Hollywood jahrelang Freud und die Psychoanalyse aufgekocht hat (immer dieselben d\u00fcmmlichen Stories mit dem Vater oder M\u00e4rchengeschichten etc), so kocht die Gameindustrie seit l\u00e4ngerem \u00a0immer dieselben Settings, Spielschematas oder Gamemechaniken auf. Es geht mehrheitlich um die Settings ScienceFiction, Fantasy, Krieg oder Horror. Kurz: eskapistische Settings. Das hat nat\u00fcrlich was Gutes, man muss nur die Grafik \u00e4ndern und schon ist es ein neues Spiel\u00a0(ist billiger auch bei den Fortsetzungen &#8211; God of War 1-3). Spannenderweise bemerken die Kunden nicht mal, dass es dasselbe Spiel in einem anderen Setting ist. Das ist nat\u00fcrlich auch der einfachste Weg und es bleibt doch etwas f\u00fcr Neueinsteiger. Die Weiterentwicklung im Sinne von komplexeren Mechaniken ist immer auch eine Gefahr. Gerade Farmville als vereinfachtes SimCity mit dem SocialEffect &#8222;Konkurrenz&#8220; zeigt, wie mit Wenig Mehr gemacht werden kann und wie man viel breitere Schichten erreicht. Auch viele andere Mainstreamtitel gehen im Moment diesen Weg. \u00a0Als Neu gilt dann bei Klassikern schon ein paar Guns mehr oder ein bisschen mehr Coop-Missionen machen dann schon ein &#8222;neues und aufregendes&#8220; Spiel.\u00a0Die Indieszene bringt zwar auch des \u00f6fteren neue Ideen, aber vieles ist auch hier Aufgekochtes in neuerer Grafik.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-15.12.48.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2418\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 15.12.48\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-15.12.48-300x187.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"187\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-15.13.26.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2419\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 15.13.26\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-15.13.26-300x224.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Aktualisierbarer Bezug zur Realit\u00e4t &#8211; immer dieselben zeitlosen Settings<\/strong><br \/>\nEs scheint als ginge die Gameindustrie und mit ihr die Indieszene den Weg des geringsten Widerstandes. Man hat sich eine zeitlose Grafiken\/Settings\/Gamemechanik-H\u00fclle aufgebaut, in der man lebt und zwar gen\u00fcsslich \u00a0Das Spiel als Kulturform (jenseits von GameArt\/ArtGames und Medienkunst) hat sich eingerichtet als das, was nicht &#8222;Weh tut&#8220; und darauf aufbauend sich auch gar nicht mit der Gesellschaft auseinandersetzen muss. Ausnahme: Technologie. Es muss deswegen auch nicht besonders aktualisiert werden &#8211; da es schon so zeitlos angelegt ist mit Settings und Gameschematas.\u00a0Damit vollf\u00fchrt auch diese Sparte des Spiels, was die anderen Spiele wie etwa Monopoly vormachen: Man erscheint zeitlos und transportiert ungehindert und unkritisch Werte wie Konkurrenz, W\u00e4hrungssyteme, Kapitalfl\u00fcsse, teure Hotels etc.<\/p>\n<div id=\"_mcePaste\">In diesem Sinn ist selbst ein Film wie Avatar &#8211; wahrlich ein Monumentalwerk des Kitsches und der Einfachheit &#8211; etwas Kritisches, ein Nachdenken \u00fcber unsere Gesellschaft und damit Kunst, wenn man es mit den Mainstreamwerken der Gameindustrie vergleicht. Denn er setzt sich mit der Welt auseinander und muss &#8211; falls es zu einem Remake kommt &#8211; zumindest umgeschrieben und angepasst werden.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Neues Spielkonzept? Das war ja vor 10 Jahren dasselbe, dieselbe Idee. 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