{"id":2433,"date":"2011-04-24T19:04:28","date_gmt":"2011-04-24T18:04:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=2433"},"modified":"2011-04-24T19:04:28","modified_gmt":"2011-04-24T18:04:28","slug":"sind-games-kunst-oder-gar-verherrlicher-unserer-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=2433","title":{"rendered":"Sind Games Kunst?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2432 alignleft\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 16.18.00\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-16.18.00-300x188.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"188\" \/>&#8222;Was ist Kunst?&#8220; ist allgemein eine alte Frage, die immer abh\u00e4ngig vom jeweiligen System diskutiert wurde und wird. Nun ist sie bei der Frage der elektronischen Spiele (kurz Games) angekommen &#8211; nicht zu letzt, weil diverse Wirschaftsf\u00f6rderungen und Kulturinstutionen auf den Zug aufgesprungen sind und Games kulturell aufgewertet haben (eine unter vielen die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gameculture.ch\" target=\"_blank\">ProHelvetia<\/a>). Dabei geht es nicht um die unbestrittene Frage, ob Games ein kulturelles Gut sind, sondern &#8222;Kunst&#8220;.\u00a0Die Debatte um &#8222;Kunst oder nicht&#8220; wurde in der letzten Monaten wieder vermehrt gef\u00fchrt, da anl\u00e4sslich der GDC\u00a0<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/GDC-Videospiele-sind-Kitsch-keine-Kunst-1202752.html\" target=\"_blank\"> Games als Kitsch<\/a> bezeichnet wurden. Dabei wird nicht \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1710\" target=\"_blank\">Kunstform\u00a0GameArt\/ArtGames<\/a> oder Medienkunst gestritten, sondern um den Mainstream bzw. die Indieszene. Dabei geht es nat\u00fcrlich nicht nur um die Bezeichnung allein, sondern auch um die Folgen einer solchen Definition wie kulturellen Schutz (<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1611\" target=\"_blank\">wieviel Gewalt darf es sein<\/a>, Altersfreigabe etwa in Deutschland) oder etwa um F\u00f6rderungsw\u00fcrdigkeit.<!--more--><br \/>\n<strong>Spiele als komplexe Systeme<\/strong><br \/>\nSpiele sind bekanntermassen komplexe Systeme aus verschiedenen Teilen wie <a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1863\" target=\"_blank\">Story, Grafik, Sound und Gamemechanik<\/a>. In der Debatte um Spiele als Kunstform wird denn auch immer selektiv wahrgenommen und nur einzelne Aspekte beleuchtet. Das h\u00e4ufigste Opfer dieser &#8222;Teile und regiere!&#8220;-Strategie ist die Grafik. Alles was nicht gerade nach Game-Mainstream ausschaut wird zur Kunst, nur weil es im grafischen Universum der Spiele (Spiele der Gesellschaft) zum ersten Mal auftritt oder dort wahrgenommen wird. (Des \u00f6fteren werden auch \u00e4ltere Stile aus der Geschichte der Computergrafik wieder als &#8222;neu&#8220; verkauft). In dieser Argumentationslinie kommen dann nicht ganz unvererwartet diverse Indiespiele ins Gespr\u00e4ch. \u00a0Dabei kommt dieser Interpretation von Games als Kunstform nat\u00fcrlich auch entgegen, dass im visuellen Bereich Konzeptzeichnungen, Szenografie und 3D-Modelle ineinanderlaufen. Der Designprozess ist handwerklich wie auch visuell Nahe bei den bildenden K\u00fcnsten wie Bildhauerei oder Malerei. Ein Teil der Personen in diesem Bereich stammt denn auch eher aus den Kunstabteilungen der Universit\u00e4ten als den Designabteilungen.Trotz diesen \u00c4hnlichkeiten m\u00fcssen Spiele nicht in den Einzeldisziplinen (wo sie es in den meisten F\u00e4llen in keine Kunstkategorie schaffen) sondern im Gesamtkomplex bewertet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-19.57.381.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2465\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 19.57.38\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-19.57.381.png\" alt=\"\" width=\"549\" height=\"321\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Games, das Medium, das alle anderen Medien aufnimmt und kontrolliert<\/strong><br \/>\nEin weiterer vielversprechender Ansatz ist die Idee, dass Games der gr\u00f6sstm\u00f6gliche Mediencontainer seien: Games sind das Medium, das verschiedene \u00a0Medien wie Grafik, Sound vereint und diese Inhalte steuert. Aus dieser Perspektive wird das Spiel zum Hypermedium &#8211; selbstverst\u00e4ndlich begrenzt auf die digitale Welt. Aber auch diese Idee greift zu kurz, denn Multimedialit\u00e4t macht noch nichts zwangsl\u00e4ufig zu Kunst. Hier wird eher klar: ein Medium selbst kann keine Kunst sein (oder man definiert Kunst als Medium, das in Games seine Realisierung erfahren hat). Aber auch dies eine seltsame Herangehensweise.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2463\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 19.56.25\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-19.56.25.png\" alt=\"\" width=\"552\" height=\"321\" \/><br \/>\n<strong>Settings und Gamemechanik<\/strong><br \/>\nWas Games ausmacht und letztlich zusammenh\u00e4lt ist &#8211; weder Grafik noch Sound &#8211; sondern die Komplexit\u00e4t von Ein- und Ausgabe gekoppelt an einen Gamemechanismus. Der Gamemechanismus h\u00e4lt die Spiele zusammen und motiviert den Spieler. Die meisten der vorhanden Gameschematas in Games sind aber alles andere als besonders &#8222;Kunst&#8220; befrachtet. Es handelt sich bei den meisten Mechanismen um simple Mechanismen von Kleinstaufgaben,die zu gr\u00f6sseren Jobs zusammengefasst werden (Mikro- und Makromechanik) und den Spieler bei der Stange halten (Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=1863\" target=\"_blank\">Warum FirstPersonShooter alias Killerspiele Spass machen (eine Erkl\u00e4rung auch f\u00fcr Nicht-Spieler)<\/a>). Bei Egoshootern etwa heisst das Konzept simpel: \u00dcberlebe! Dabei steht man mit dem R\u00fccken zur Wand. Eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaft k\u00f6nnte entstehen, wenn die Settings etwas mit der Realit\u00e4t zu tun h\u00e4tten, die Welt verzerren w\u00fcrden, aber auch hier: Fehlanzeige (Die &#8222;realistischen&#8220; Kriegsszenarien dienen allein der Unterhaltung und nicht einer Auseinandersetzung). Die Settings sind meist eskapistisch sei es im ScienceFiction, in Fantasy oder auf Kriegsschaupl\u00e4tzen. (<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=2324\" target=\"_blank\">Mehr dazu hier: Immer dieselben Spiele und Spielkonzepte &#8211; kulturelle Aktualisierung der Spielschematas\u00a0&gt; <\/a>). Dabei liegt es im Konzept vonSpielen, dass sie die Spieler an sich binden und in ihrer Fiktion &#8222;gefangen&#8220; sind (Magic Circle). Games werden auf diese Aspekte hin designed und entwickelt. Es gibt immer eine Zielgruppe, die letztlich das designte Spiel kaufen sollen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-20.02.28.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2467\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 20.02.28\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-20.02.28.png\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"348\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Games als Verherrlicher der Kultur &#8211; Monopoly ein Kunstwerk ?<\/strong><br \/>\nP.M.Ong ging auf der <a href=\"http:\/\/www.spielkultur.net\/\" target=\"_blank\">Spielekultur.de<\/a>-Mailling-Liste sogar noch einen Schritt weiter, indem er konstantierte, dass die meisten Games die aktuellsten Philosophien unserer Gesellschaft seien. Sie w\u00fcrden letztlich meist nur eine vereinfachte reale Welt bieten, in der die Gesetzte der Realit\u00e4t dargestellt und selbst erfahrbar\u00a0gelernt k\u00f6nnten. Man spiele, was die Gesellschaft sowieso von den B\u00fcrgern m\u00f6chte: Aufbau, Leistung, Konkurrenz, Weiterkommen. Nur mache es in diesem Fall Spass. In dieser Sicht sind diese &#8222;B\u00fcrgergames&#8220; geradezu das Gegenteil von Kunst als einem Nachdenken oder Reflektieren \u00fcber die Gesellschafts. Games sind hier nichts mehr als die Verherrlicher unserer Kultur. Im ersten Moment t\u00f6nt dies gar abwegig, schaut man sich aber das Spiel Brettspiel &#8222;Monopoly&#8220; (es k\u00f6nnte auch jedes andere sein) an, wird schnell klar: Dieses Regelwerk l\u00e4uft darauf heraus zu gewinnen als Einziger, dazu muss man die anderen dazu bringen m\u00f6glichst oft bei einem zu \u00fcbernachten. Die meisten Regelwerke laufen auf klassische b\u00fcrgerliche Tugenden hinaus. Im Fall von Monopoly sind wir uns der Krassheit des Handelns im Spiel nicht mal bewusst. \u00c4hnliches steckt letztlich auch hinter allen so sch\u00f6n gemachten elektronischen Spielen. Fast keine Spiele arbeiten antifortschrittlich oder gar subversiv. Selbst in umstrittenen Spielen wie Doom3 geht es ums besser werden, die Menscheit weiterbringen. Hier geht es nicht um ein Nachdenken \u00fcber die Welt, ein Versinken in sich oder gar ein Ausdruck von sich selbst. Dabei ist der Gamemechanismus die Regeln sch\u00f6n&#8220; versteckt hinter 3D-Grafik. \u00dcberlebender sein im Kampf gegen all die anderen steht auch hier im Vordergrund. Was k\u00f6nnte unprosaischer ein Modell f\u00fcr unsere Kultur sein. Nur k\u00fcnstlerisch hat sich nie jemals dahin gesetzt und das so beabsichtigt. Kunst liegt hier maximal im Auge des Betrachters und minimal ist es keine Kunst.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-20.00.16.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2466\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 20.00.16\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-20.00.16.png\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"326\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Games stehen auf dem Altar unserer Gesellschaft wie einst im Mittelalter<\/strong><br \/>\nGames als Kunst ist eigentlich die Frage, die sich Wissenschaftler schon lange stellen: &#8222;Gab es im Mittelalter \u00fcberhaupt Kunst?&#8220; In diesem System arbeitete jeder eigentlich nur f\u00fcr eines: Gott wurde gehuldigt. Im Fall der meisten unserer Spiele ist es nicht anders: Diese Spiele huldigen der Gesellschaft und damit dem westlichen System, sie wollen eigentlich nur &#8222;verkauft&#8220; werden. Dies ist weder moralisch noch unmoralisch, aber eben nicht unbedingt Kunst. M\u00f6chte man sich tats\u00e4chlich mit Kunst in Games oder Games als Kunst auseinandersetzen, so sollte man sich die <a href=\"http:\/\/www.gamescenes.org\/\" target=\"_blank\">GameArt\/ArtGames-Szene<\/a> ansehen. Mit Games als Kultur wird man dem Ph\u00e4nomen Games gerechter, \u00a0statt dauernd so zu tun, als seien die versteckten Propagandainstrumente unserer Gesellschaft Kunst.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-20.03.46.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2468\" title=\"Bildschirmfoto 2011-04-23 um 20.03.46\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2011-04-23-um-20.03.46.png\" alt=\"\" width=\"635\" height=\"375\" \/><\/a><br \/>\nWeitere und \u00e4hnliche \u00dcberlegungen Games und Kunst:<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=2746\" target=\"_blank\"> Teil der ComputerArt &gt; <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Was ist Kunst?&#8220; ist allgemein eine alte Frage, die immer abh\u00e4ngig vom jeweiligen System diskutiert wurde und wird. 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