{"id":515,"date":"2010-04-04T20:33:47","date_gmt":"2010-04-04T19:33:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=515"},"modified":"2010-04-04T20:33:47","modified_gmt":"2010-04-04T19:33:47","slug":"1-april-das-weltweite-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=515","title":{"rendered":"\u201e1. April\u201c &#8211; das weltweite Spiel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-04-04-um-21.37.10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-518\" title=\"Bildschirmfoto 2010-04-04 um 21.37.10\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2010-04-04-um-21.37.10.png\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"264\" \/><\/a>Es ist wieder \u201e2. April\u201c und (wie nicht anders zu erwarten) \u201e3. April\u201c geworden. Auch dies geh\u00f6rt zum Spiel \u201e1. April\u201c. Es sind die Tage nach dem gro\u00dfen Spiel. Wir haben mitgespielt als Scherzer (\u201eHeute ist doch tats\u00e4chlich &#8230;\u201c), als Leser (\u201eInteressante Geschichte &#8230;\u201c), als \u201eAufdecker\u201c (\u201eJa, das war &#8230;\u201c) und als Denunzianten (\u201eWie kann man so etwas nur glauben?\u201c). Wir haben mitgemacht, ob wir wollten oder nicht und tun es vielleicht immer noch.\u00a0 Das Spiel ist mehrfach gesichert und eingesperrt in seinen \u201eMagic Circle\u201c, der ununterbrochen gesellschaftlich reproduziert wird und dies auf verschiedenen Ebenen.<br \/>\n<!--more-->Magic Circle und Kontrolle<br \/>\nDas Spiel ist zeitlich begrenzt: Es dauert einen Kalendertag und ist wie Karneval im \u201eGesellschaftsspiel\u201c verortet und in einer absoluten Zeitleiste eingeordnet. Es ist sozial klar definiert: Alle Beteiligten wissen oder w\u00fcssten, dass das Spiel gespielt wird an diesem Tag. Das Spiel erm\u00f6glicht das Unbewusste der Gesellschaft zu spielen. F\u00fcr einen Tag wird es m\u00f6glich, zu schwindeln, zu betr\u00fcgen und zu denunzieren. Das Spiel hintergeht damit die Grundlagen \u201eunserer\u201c differenzierten (und letztlich wissenschaftlichen) Gesellschaft mit ihren Anforderungen wie Eineindeutigkeit, Klarheit, Sicherheit und damit auch \u201eKontrollierbarkeit\u201c. Das Spiel \u201e1. April\u201c ist ein Spiel mit der Differenz \u201eSicherheit\/Unsicherheit\u201c. An diesem 1. April ist die Welt \u201evon Haus aus\u201c unsicher.<br \/>\nNaive Ansicht: ein kritisches Spiel<br \/>\nAuf der positivistischen Ebene (und damit gesellschaftlich gef\u00f6rderten Ebene) geht es bei diesem Verunsicherungsspiel um ein Kritikspiel und Kreativspiel, das Spa\u00df macht. Es ist wie viele Spiele ein gesellschaftliches Tabula-Rasa-Spiel. Jeder kann \u00fcber alle Stufen und Systeme hinweg mitspielen, gespielt wird auch mit jedem erdenklichen gesellschaftlichen Inhalt von pers\u00f6nlich bis systeminh\u00e4rent. Es ist vermutlich eines der gr\u00f6\u00dften (Kreativ-) Spiele (Game 2.0), das Weltweit von allen Leuten (\u00fcber alle Altersklassen an einem Tag) gespielt wird. Es zeigt, wie Informationen entstehen, wie sie verbreitet werden, wie sie aufgenommen werden. Es wird klar, dass Informationen eigentlich nur glaubw\u00fcrdig sein m\u00fcssen, um akzeptiert zu werden. Oder anders gesagt: \u201eSind Informationen im System anschlie\u00dfbar, so werden sie auch integriert.\u201c Es geht also indirekt auch um die Frage: \u201eWas ist m\u00f6glich in unserer Gesellschaft?\u201c<br \/>\nDie Rolle vom \u201e1. April\u201c im westlichen Gesellschaftsspiel Kapitalismus<br \/>\nAuf der kritischen Ebene ist das Spiel ein Machtinstrument. Als Dispositiv der Macht verunsichert es f\u00fcr einen Tag die Mitspieler. Es sichert dem System dar\u00fcber hinaus das muntere Mitmachen in den anderen 364 Tagen. Die Mitspieler lernen im Spiel, wie die Regeln funktionieren, was das System ihnen f\u00fcr Arbeit abnimmt und sie damit \u201eentlastet\u201c. Am \u201e2. April\u201c kann man sich wieder darauf verlassen, was in der Tageszeitung steht. Das Serious Game \u201e1. April\u201c funktioniert (es ist spassig) und st\u00fctzt die Gesellschaft mit ihren Subsystemen, die Informationen \u201eliefern\u201c wie Wissenschaft oder Recht. Auf der Mikroebene ist das Spiel noch viel effektiver. Auf der einen Seite kann jeder mitmachen und Ideen kreieren, auf der anderen Seite wird sofort klar, wer \u00fcber mehr Bildung, mehr Informationen verf\u00fcgt. Am Mittagstisch werden dann soziale Hierarchien \u201eentlarvt\u201c oder umgekehrt wird tragischer klar, dass die Gesellschaft eben nicht nach dem Prinzip von Wissen (und Leistung) funktioniert sondern \u00fcber menschliche Netzwerke. (Wer lacht schon seinen Chef aus?)<br \/>\nGesellschaft und \u201eAlternate Reality\u201c-Games<br \/>\nDas Spiel \u201e1. April\u201c ist mit den Jahren wichtiger geworden. Dies zeigt die Beibehaltung des Spiels sowie seine zunehmende Standardisierung in den letzten 300-400 Jahren. Im Spiel wird es m\u00f6glich die \u201ewestlichen Gesellschaft\u201c zu spielen und etwas dar\u00fcber zu lernen, darin handlungsf\u00e4higer zu werden. Spannenderweise ist beim \u201e1. April\u201c das Spiel unklarer als die \u201eRealit\u00e4t\u201c. Die Realit\u00e4t erscheint geradezu als differenziertes Paradies. Das Spiel \u201e1. April\u201c ist damit ein Basismodell f\u00fcr alle anderen \u201eAlternate Reality Games\u201c. Es zeigt auf, dass die Gesellschaft die Spiele als Verunsicherungspiele f\u00f6rdert, einbaut und nutzt. Alternate Reality Games lassen sich in diesem Sinn genau gleich sozialisieren wie herk\u00f6mmliche Spiele, sie st\u00fctzen die Realit\u00e4t \u00fcber ihre Gamemechanik, ihre visuelle Welt.<br \/>\nP.M.Ong<br \/>\n(Erschienen am 4.4.2010 in der Spielkultur-Maillingliste)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist wieder \u201e2. April\u201c und (wie nicht anders zu erwarten) \u201e3. April\u201c geworden. Auch dies geh\u00f6rt zum Spiel \u201e1. April\u201c. Es sind die Tage nach dem gro\u00dfen Spiel. Wir haben mitgespielt als Scherzer (\u201eHeute ist doch tats\u00e4chlich &#8230;\u201c), als &hellip; <a href=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=515\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,35],"tags":[],"class_list":["post-515","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur","category-theory"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/515\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}