{"id":6345,"date":"2014-08-05T10:16:24","date_gmt":"2014-08-05T09:16:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=6345"},"modified":"2014-08-05T10:16:24","modified_gmt":"2014-08-05T09:16:24","slug":"soziale-gamemechaniken-oder-die-untolerierbare-maturaquote-40-der-goldkuste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=6345","title":{"rendered":"Soziale Gamemechaniken oder die untolerierbare Maturaquote (40%+) der Goldk\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2014-08-05-um-10.23.30.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6344\" title=\"Bildschirmfoto 2014-08-05 um 10.23.30\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2014-08-05-um-10.23.30-300x294.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"294\" \/><\/a>Die schlimmsten weil allt\u00e4glichen Gamemechaniken sind real-soziale Gamemechaniken. Sie sind sozial integriert und werden durch Diskurse gesteuert, Anreize gest\u00e4rkt und verfestigt. Es gibt handfeste Interessen f\u00fcr diese Mechaniken. Sie st\u00fctzen in 99% aller F\u00e4lle die Herrschaft der Herrschenden und verhindern einen gesellschaftlichen Wandel oder konkreter gesagt: Die Flexibilit\u00e4t der Volkswirtschaft. Dabei sind soziale Gamemechaniken in der Mehrheit der F\u00e4lle gewollte und nicht etwa gottgegebene Mechaniken. Sie werden \u00fcber Interessenvertreter gesetztlich verankert. Und sie sind eben so und nicht anders. Dabei kommen oft Argumentationen zum Einsatz wie &#8222;Ja das ist halt so&#8220;, &#8222;Die wollen das so&#8220;, &#8222;Das kann man nicht \u00e4ndern&#8220;, &#8222;Da gibt es andere Wertvorstellungen&#8220;.<br \/>\n<strong>Maturaquote in Z\u00fcrich &#8211; Ergebnis einer sch\u00e4dlichen Gamemechanik<\/strong><br \/>\nEin geradezu grauenhaftes Beispiel ist etwa die Verteilung der Maturaquote im Kanton Z\u00fcrich. Siehe dazu folgende interaktive Visualisierung im Tagesanzeiger:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/zuerich\/region\/Der-Gymigraben\/story\/15733906\" target=\"_blank\">http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/zuerich\/region\/Der-Gymigraben\/story\/15733906 &gt;<\/a><br \/>\nHier zeigt sich: Die reichsten Gemeinden verf\u00fcgen \u00fcber die h\u00f6chsten Maturaquoten (siehe G\u00fcrtel um den Z\u00fcrichsee) &#8211; die wiederum weit \u00fcber dem Schweizer Mittel liegen. Wobei nat\u00fcrlich die Stadt Z\u00fcrich dasselbe in klein ist: Aussershil etwa mit seinen Prozenten (11% ?) tr\u00e4gt Sorge, dass der Z\u00fcrichberg (\u00fcber 60% ?) haben kann. Oder um die These von Negri bildungstechnisch aufzunehmen: Die dritte Welt ist in jeder Stadt oder jedem Kanton implementiert worden. Die Armen sorgen f\u00fcr eine ausgeglichene Maturaquote.<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Z\u00fcrichs Bildungsgamemechanik &#8211; verzerrter Wettbwerb<\/span><br \/>\nDie Mechanik im Kanton Z\u00fcrich ist dabei nat\u00fcrlich simple und pervers: Es gibt nicht etwa Quoten f\u00fcr jede Gemeinde (Dies w\u00fcrde ja zu einer Verteilung f\u00fchren \u00fcber den Kanton) und somit die Besten der Bev\u00f6lkerung an die Universit\u00e4ten bringen. Sondern es wird eine kantonsweite Pr\u00fcfung genutzt zur Leistungserhebung. Diese eine Pr\u00fcfung benachteiligt selbstverst\u00e4ndlich die \u00e4rmeren Regionen und Bev\u00f6lkerungsteile, da sehr viel Aufwand in die Maturavorbereitung gesteckt wird (finanziell und zeitlich). Diese Nachhilfe f\u00fcr Reiche verzerrt zudem massiv den Wettbwerb, da konkret zu schlechte Sch\u00fcler die Matur machen (ihre Leistung ist real zu schlecht &#8211; zuviel Aufwand f\u00fcr wenig Ertrag). Dies f\u00fchrt dazu, dass die eigentlichen effizienteren zuk\u00fcnftigen Studenten gar keine Chance kriegen. Stattdessen besetzt eine durchgepeppelte Person den Platz und verhindert &#8211; letztlich soziale wie auch wirtschaftliche Innovation.<br \/>\n<strong>Berufsmatur &#8211; ein guter Weg aber eben kein Ersatz f\u00fcr Matura<\/strong><br \/>\nDer h\u00e4ufigste Argumentation zu den hohen Maturaquoten: &#8222;Die Leute haben da andere Priorit\u00e4ten auf dem Land, die machen lieber eine Lehre und dann eine Berufsmatur&#8220;. Nat\u00fcrlich wurde dies kulturell so zementiert und nat\u00fcrlich werden die Reicheren in der Gesellschaft alles tun, dass das so bleibt. Die Frage ist aber: Was macht die Gesellschaft, um einen fairen Wettwebwerb zu garantieren? Wo sind die Talentscouts, die f\u00fcr die besten Leute an den Universit\u00e4ten sorgen. Die M\u00f6glichkeit via Berufslehre und anschliessender Berufsmatur darf dabei auch nicht als Argumentation gelten. Die Berufslehre f\u00fchrt zu einem anderen Bildungsweg (und sozialem Netzwerk) und wenn man \u00a0die Beschwichtigungsargumentation &#8222;Berufsmatur und Fachhochschule ist ein Ersatz&#8220; ernst nimmt, dann ist es einfach: Na dann sollen die Goldk\u00fcstenkinder doch die Berufsmatur machen.<br \/>\n<strong>Wir wollen die besten und nicht die elterlich Subventioniertesten<\/strong><br \/>\nDas perverse an der ganzen Sache: Es geht volkswirtschaftlich nicht mal um Gerechtigkeit (dies ist ein weiterer hier nicht diskutierter Punkt) sondern um die Flexibilit\u00e4t und Stabilit\u00e4t der Volkswirtschaft. Wir brauchen die besten Leute f\u00fcr die Jobs und nicht die elterlich und gesellschaftlich Subventioniertesten. Dieser einfache Zusammenhang sollte jedem Wirtschaftsliberalen klar sein. Aber es beschleicht einem immer \u00f6fter der Verdacht, dass Wirtschaftsliberalismus &#8211; entgegen seinen Denkern &#8211; nur zum Machterhalt genutzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schlimmsten weil allt\u00e4glichen Gamemechaniken sind real-soziale Gamemechaniken. Sie sind sozial integriert und werden durch Diskurse gesteuert, Anreize gest\u00e4rkt und verfestigt. Es gibt handfeste Interessen f\u00fcr diese Mechaniken. 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