{"id":7015,"date":"2019-09-10T16:14:48","date_gmt":"2019-09-10T16:14:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=7015"},"modified":"2019-09-11T07:35:52","modified_gmt":"2019-09-11T07:35:52","slug":"wie-die-welt-in-den-computer-kam-d-gugerli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=7015","title":{"rendered":"Buch: Wie die Welt in den Computer kam (D. Gugerli)"},"content":{"rendered":"\n<p>Zur Entstehung digitaler Wirklichkeit<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/83641905-00-00.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7016\" width=\"208\" height=\"341\"\/><figcaption>Collage mit UNIVAC-Werbung 1956 als Buchtitel <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wie auch die Serie Catch and Hold Fire (<a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=6965\">Besprochen hier<\/a>) ist das Buch WIE DIE WELT IN DEN COMPUTER KAM von David Gugerli eine geschichtlich offene Betrachtung von Zeit und Zukunft. Geschichte erscheint hier als ein historischer Moment mit seinen gesellschaftlichen wie technischen M\u00f6glichkeiten, Restriktionen, Praktiken, Theorien und Entwicklungsideen. Die damalige Zukunft ist dabei offen und f\u00fcr uns heute geschlossen zugleich. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Gugerli &#8211; Professor f\u00fcr Technikgeschichte an der ETH Z\u00fcrich &#8211; geht &#8218;essayistisch&#8216; (S.17)  der Frage nach, wie die Welt in den Computer kam. Oder konkreter, wie digitale Wirklichkeit entstand und technologisch enwickelt wurde. Dabei zeigt sich schnell, dass die &#8218;Digitalisierung&#8216; der Welt ein langer fast hundertj\u00e4hriger (sich beschleunigender?) Prozess war.  Das Buch n\u00e4hert sich dabei konsequent \u00fcber Themen wie &#8218;Rechnen, Programmieren und Formatieren&#8216; \/ &#8218;Teilen und Betreiben&#8216; \/ &#8218;Synchronisieren&#8216; \/ &#8218;Herstellen und Einrichten&#8216; \/ &#8218;Verbinden, Abgrenzen und Speichern&#8216; \/ &#8218;Abschalten der Fragestellung&#8216;.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.tg.ethz.ch\/produkte\/schaufenster\/wie-die-welt-in-den-computer-kam\/\">https:\/\/www.tg.ethz.ch\/produkte\/schaufenster\/wie-die-welt-in-den-computer-kam\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Kommentar: Dabei geht das Buch nat\u00fcrlich auch implizit der Frage nach, wie aus &#8218;auf Menschen laufenden Medien, auf Maschinen laufende Medien&#8216; werden konnten &#8211; aber vielleicht ist das schon wieder zu positivistisch  gedacht.)  <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Datenverarbeitung 1890+ &#8211; Hollerith Lochkartenmaschinen<\/strong><br>Lange war eine der wenigen M\u00f6glichkeiten, Daten maschinell zu verarbeiten, die Nutzung von Lochkarten. <\/p>\n\n\n\n<p><em>(Kommentar: Lochkarten wurden einst erfunden zur Steuerung von Webst\u00fchlen, steuern aber teilweise noch heute alte Drehorgeln, Musikinstrument etc.  Sie sind Aufschreibesysteme mit maschineller Verarbeitungsm\u00f6glichkeit). <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hollerith  erfand um 1890 die elektromechanischen Lochkartenmaschinen. Ein Anwendungsgebiet war etwa das Volksz\u00e4hlungsamt (census) in den USA oder die sp\u00e4tere Anwendung von Hollorith Maschinen (sp\u00e4ter IBM) zum Finden und bestimmen des Abstammungsgrad eines Deutschen mit j\u00fcdischer Abstammung.<\/em>)<br><em><br>Eine Hollorith Maschine bestand aus verschiedenen elektromechanischen Maschinen, die je eigene Funktionen hatten. Sortieren, &#8230;) <\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/HollerithMachine.CHM_-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7056\" srcset=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/HollerithMachine.CHM_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/HollerithMachine.CHM_-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/HollerithMachine.CHM_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Bild: Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rechnen, Differentialgleichungen numerisch l\u00f6sen <\/strong><br>Der Autor (S. 28) weist darauf hin, dass viele &#8218;Computer&#8216; hochspezialisiert waren. Sie waren gemacht zur Berechnung von kritischen Massen f\u00fcr Atombomben (Vannevar Bush 1939+ siehe How you might think) oder allgemeiner zum Rechnen milit\u00e4rischer Problemfelder (ENIAC etc.). <em>Im Spielbereich ist hier nat\u00fcrlich als ein Hybrid aus all diesen Dingen das Spiel <\/em><strong><em>Tennis for Two<\/em><\/strong><em> zu nennen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/s2E9iSQfGdg\/hqdefault.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><em>Tennis for Two 1958 &#8211; ein Spiel zusammengesetzt aus der Hardware zur Berechnung der Flugbahn ballistischer Raketen und einem elektronischen Schaltkreis.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Akademisches Rechnen<\/strong> (S. 31)<br>Alain Turing versuchte biologisch chemische Strukturbildung zu bestimmen. Neumann wollte einen Rechner f\u00fcr m\u00f6glichst hohe Komplexit\u00e4t (Differentialgleichungen mit 2-3 unabh\u00e4ngigen Variablen). Zuse  wollte Matrizen berechnen und dies bei der Rassenforschung und Vererbungsslehre (1942) anwenden (<em>&#8218; Bei hinreichender F\u00f6rderung durch den nationalsozialistischen Staat, so das Kalk\u00fcl, w\u00fcrde sich mit seiner Maschine der Verwandtschaftsgrad von zwei beliebigen Indiviuen bestimmen lassen. Die N\u00fcrnberger Gesetze hatten ein rechnerisches Umsetzungsinstrument erhalten.&#8216;<\/em> (S.29)). <\/p>\n\n\n\n<p>(<strong><em>Kommentar: Pinballs 50 &#8211; 80er Jahre<\/em><\/strong><em><br>Wie dieses Rechnen und Prozessieren aussah, kann man sich noch heute in den elektromechanischen Pinballs ansehen. Eine Welt aus R\u00e4derwerken Zahnr\u00e4dern (Z\u00e4hlern) und Relais. Sie wurden von den 50er Jahren bis zu den 80er produziert und wummern noch heute vor sich hin. Das <a href=\"http:\/\/www.outlane.ch\">Outlane.ch<\/a> in Z\u00fcrich besitzt fast alle Stufen dieser Art der elektromechanischen Pinballs und <\/em><a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=448\"><em>einige elektromechanische Arcades<\/em><\/a><em>)<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_0568-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7061\" srcset=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_0568-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_0568-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_0569-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7060\" srcset=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_0569-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_0569-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Das Innenleben eines elektromechanischen Pinballs &#8211; gerechnet wird hier mit Zahnr\u00e4dern, Walzen, entschieden mit Relais. Jeder Pinball mit eigner &#8222;Schaltung&#8220; <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>UNIVAC &#8211; 1951 &#8211; die Fabrikanlage auch in der Privatwirtschaft<br><\/strong>Das Buch setzt ein mit der Werbungen zu UNIVAC (Remington RAND). Der Universal Automatic Computer ist kommerziell verf\u00fcgbar und macht damit den Schritt vom Rechner f\u00fcr Kryptographie, Atomtessimulationen zur privatwirtschaftlichen Anwendung und damit neuen Anwendungsm\u00f6glichkeiten und Problemen. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Er ist eine Art Fabrikanlage (S.12) &#8211; ganz im Sinne der Zeit (S.12) &#8211; er wird gef\u00fcttert und anschliessend wird gerechnet (eigene Box mit Elektror\u00f6hren) und gespeichert (eigene Box Lochkarten, Magnetb\u00e4ndern) oder gedruckt (eigene Hardware wie Printer). Dabei ist die Frage, was ein Computer ist noch weit offen, denn so wird vermutet: Turing oder Neumann haben wohl die wenigsten gelesen (S. 18).  Die Anlage soll all das schneller machen, so etwa Wahlausz\u00e4hlungen oder Volksz\u00e4hlungen (in den USA alle 10 Jahre).  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.census.gov\/history\/img\/univacphoto.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><a href=\"https:\/\/www.census.gov\/history\/www\/innovations\/technology\/univac_i.html\">UNIVAC im Einsatz der Volksz\u00e4hlung<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Grundfunktionen: Sortieren, klassifizieren, rechnen, entscheiden<\/strong><br>Die Grundfunktionen sind dabei sortieren, klassifizieren, rechnen entscheiden und das alles gleichzeitig im Gegensatz zu den Hollerith-Maschinen &#8211; etwa bei Ausz\u00e4hlungen. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.masswerk.at\/virtualunivac\/\">Simulation des UNIVAC Computers online &gt;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anwendungsfelder<br><\/strong>Der Autor geht dabei der Frage nach: Wie wird \u00fcberhaupt gerechnet zu dieser Zeit. Er breitet das Feld verschiedener (S. 23) Arten des Rechnens aus. Br\u00e4uchte jeder einen Rechner? Viele T\u00e4tigkeiten werden gesch\u00e4tzt (etwa Bedarf, Gewohnheit), oft werden vorberechnete Tabellen benutzt (siehe Formelbuch) und oft wird auch etwa im Versicherungsgesch\u00e4ft vor Ort gerechnet und anschliessend erst nachgerechnet und systematisiert oder  Tagesabschl\u00fcsse werden erst in der Zentrale detailiert berechnet. Der Autor nennt diese Art des Nicht-Echtzeitrechnens auch die Temporalisierung des Rechnens. <\/p>\n\n\n\n<p>Der UNIVAC geht auf jeden Fall einen Schritt n\u00e4her und erm\u00f6glicht zumindest im Backoffice (f\u00fcr den Preis) neue Arten von Anwendungen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"1951 UNIVAC 1 Computer Basic System Components First Mass Produced Computer in U.S.\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ZU-IVshCAss?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Buch thematisiert dabei, dass selbst zu diesem Zeitpunkt, die alte (elektromechanische) Technik nicht etwa \u00fcberholt wurde, sondern zeitweise nebeneinander bestanden und einander unterst\u00fctzte. Klar wird dabei auch, warum es im Franz\u00f6sischen bis heute ein &#8218;ordinateur&#8216; (S. 36) heisst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Programmierung &#8211; Stau vor dem Rechner  <\/strong><br>Ein Rechner wie etwa der Z4 (Zuse) der ETH (ERMETH ab 1953 eingef\u00fchrt durch Eduard Stiefel,  <a href=\"https:\/\/blog.nationalmuseum.ch\/2018\/02\/ermeth-computer-made-in-switzerland\/\">steht heute im Kommunikationsmuseum in Bern<\/a>) ben\u00f6tigte neben viel Geld f\u00fcr Anschaffung (Bau) und Unterhalt, Personal (S. 39). <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/4\/4c\/ERMETH.jpg\/720px-ERMETH.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ERMETH\">ERMETH<\/a> &#8211; Im Museum f\u00fcr Kommunikation in Bern<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Personal bereitete die Befehle vor und danach rechnete der Computer diese durch &#8211; eine &#8222;reproduktive Maschine&#8220; (S. 39). Der Flaschenhals war mehrheitlich die Schlange vor dem Rechner ausgel\u00f6st auch etwa durch &#8218;Programmierfehler&#8216;. Nach und nach entstanden L\u00f6sungen f\u00fcr diese Probleme: Programme konnten bei einem Fehler gestoppt und weitergef\u00fchrt werden oder wurden compiliert (also darauf untersucht, ob sie \u00fcberhaupt lauff\u00e4hig waren). <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>&#8222;Die Disziplinierung und Disziplin der Programmierer war die wichtigste Voraussetzung f\u00fcr den Gehorsam der Rechner. Und umgekehrt.&#8220; (S46)<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aber auch inhaltlich musste das Ganze vermittelt werden:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>&#8222;Es galt den ohnehin prek\u00e4ren akademischen Ruf dieser Disziplin nicht unn\u00f6tig aufs Spiel setzen. Darum versuchte Stiefel, das Programmieren von den ETH-Mathematikern fernzuhalten und wie eine heisse Kartoffel an seine Auftraggeber in der Industrie weiterzureichen&#8220; (S. 41)  <\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Denn schliesslich bestand das Ger\u00e4t <em>&#8222;aus einem amorphen Haufen von Elektronenr\u00f6hren oder anderen Schaltelemente, in welchem sogar die Addition einstelliger Zahlen programmiert werden musste.&#8220;<\/em> (S44)!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<strong>Datenverarbeitung setzte also Datenverarbeitung&#8220; (S. 52) voraus <\/strong><br>Nicht zu vergessen ist dabei auch, dass die Daten bevor sie verarbeitet wurden, in ein Format bzw. auf Lochkarten oder Magnetb\u00e4nder &#8217;normalisiert&#8216; werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Emanzipation von der Lochkartenstapelverarbeitung &#8211; Random Access<\/strong><br>Im Grunde aber nutzten die meisten Firmen diese &#8218;Computer&#8216; zur Verarbeitung von Stappeln. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>&#8222;Was Firmen auf digitalen, programmierbaren Rechenanlagen taten, sei nichts anderes als eine &#8218;file-maintenance operation'&#8220;. <\/em>(S. 63)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Eine Emanzipation von der Technikkultur hin zu mehr M\u00f6glichkeiten fand erst statt, als die Daten nicht mehr nach ihrer Nutzung organisiert, gespeichert und geladen wurden (S. 63+) sondern frei zug\u00e4nglich waren. Dieses System nannte sich dann auch Random Access (Memory) noch heute RAM genannt. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Organisation des Computers &#8211; Time Sharing<\/strong><br>Ebenfalls geteilt sollte sehr bald auch die Rechenzeit, damit die Ressourcen des Rechnens besser genutzt werden konnten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>&#8222;W\u00e4hrend also der eine Programmierer \u00fcber seinen Fehlern br\u00fctete oder sich neue (fehlerhafte) Instruktionen ausdachte, konnte man den Rechner gut und gerne einem anderen Nutzer \u00fcberlassen.&#8220; (S. 67)<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die L\u00f6sung kennen wir heute, damals klang das folgendermassen in Anlehnung an eine Telefonzentrale: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>&#8222;Jeder Nutzer sollte einen eigenen Apparat, eine eigene Konsole bedienen k\u00f6nnen sich nicht um die Aktivit\u00e4t anderer User k\u00fcmmern m\u00fcssen. F\u00fcr letzteres war allein die Zentrale zust\u00e4ndig.&#8220; (S. 71)<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Betriebssystem als Dispositiv<\/strong><br>Die L\u00f6sung dieses Problems war eine grundlegende Software &#8211; Super Visor, Control System oder letztlich Betriebssystem genannt: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>Diese w\u00e4gte Nutzungsanspr\u00fcche, Zugriffsrechte, Ausbeutungsformen und Rechenschaftspflichten gegeinander ab und regelte das systemkonforme Zusammenspiel von Hardwarekomponenten, Daten, Anwendungsprogrammen, peripheren Apparturen und Nutzern. (S. 75)<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese Polizei (S. 77) kontrollierte <em>den Rahmen oder anders gesagt, war das Regelsystem des Systems<\/em> oder Dispositiv (S. 78) Die Kosten der Entwicklung und damit auch des Betriebes daf\u00fcr sind immens: <em>&#8222;Rund 5000 Mannjahre soll die Entwicklung von OS\/360 bei IBM gekostet haben.&#8220; (S. 79)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Organisationen von Firmen entlang von Grossrechnern<\/strong><br>In &#8222;Automation der \u00f6ffentlichen Verwaltung&#8220; bezeichnete Niklas Luhmann die &#8222;<em>hohen Investitionskosten der 1960er Jahre als Hauptgrund daf\u00fcr, dass der Rechner B\u00fcrokratien eine derartige konzeptionelle organisatorische Herausforderung darstellte.&#8220; (S. 81)<\/em> Dies f\u00fchre zu einem &#8218;Denkzwang&#8216; meinte Luhmann. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>&#8222;&#8218;Ihr Preis zwingt dazu, die Organisation der Datenverarbeitung auch ausserhalb der eigentlichen Anlage in einem Masse zu rationalisieren, das ohne diesen Anstoss undurchf\u00fchrbar geblieben w\u00e4re.&#8216; Es galt also viel und gr\u00fcndlicher nachzudenken, um Verwaltung als System zu verstehen und danach jene Abl\u00e4ufe, die in Verwaltungen selbstverst\u00e4ndlich sind, in ein computerkompatibles Format zu \u00fcbersetzen.&#8220;  (S. 81+) <\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Autor geht dabei sogar weiter und bezieht die Theorie von Luhmann direkt auf Computerprogramme:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>&#8222;Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass sich Luhmann und Simon vom abstrakten Regelspiel inspirieren liessen, das Rechner f\u00fcr ihren etrieb ben\u00f6tigen, und ebenso von Konzepten und Prozeduren, die im Bereich der Organisation von Rechnern Verwendung fanden. Dies zeigt sich etwa in dem programm bzw. der \u00dcberzeugn, dass Organisationen und soziale System der unterschiedlichensten art (wie Rechner) abstrakten Prinzipien der Strukturbildung folgten und dass sich dewsegen auch allgemeine Prinzipien von Organisation bestimmen liessen.&#8220; (S. 83)<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Kleinste Informatikprojekte f\u00fchren deswegen zwangsl\u00e4ufig zu Umstrukturierungen, so der Autor. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>IBM gegen den Rest &#8211; DEC und Konsorten<\/strong><br>IBM hatte immer auf die Hardware und Produktlinien gesetzt. Nun stiegen neuere Anbieter mit kleineren Rechnern ein wie DEC mit der PDP 1960+ und lieferten Kopien. 1969 trug IBM diesem Umstand Rechnung  und gab bekannt nun Soft- und Hardware als eigenst\u00e4ndige Sparten zu betreiben. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/c\/c3\/PDP-1.jpg\/440px-PDP-1.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>PDP-1 Computer von DEC<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit begannen auch die Auseinandersetzungen um Programmiersprachen und Standards etwa bei Algol aktueller zu werden (vgl. Niklaus Wirth &#8211; S.115). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vernetzt (S. 142+)<\/strong><br>Um den Austausch von Daten sowohl mit eigenen wie auch mit fremden Computersystemen (und Architekturen) zu erm\u00f6glichen, entstanden verschiedene Kommunicationsstandards, die jeweils nicht kompatibel zueinander waren. Das Rennen machte am Schluss aber das TCP\/IP-Protokoll von DARPA gegen alle Erwartungen. Anders als andere Ans\u00e4tze setzten hier verschiedene Protokolle aufeinander auf und neutralisierten damit die darunterliegende Hardware.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Kommentar: Prinzipiell wurde hier alles entwickelt, was danach im Home- und Personalcomputerbereich nochmals implementiert wurde.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Homebrew Personal Computer oder Altair 8800 <\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/8\/8b\/CPU_Altair_8800.jpg\/440px-CPU_Altair_8800.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Altair 8800 &#8211; Zusammengebaut<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1975 kam der Altair 8800 als Baukasten auf den Markt. Der Entwickler oder die Entwicklerin hatte  hier vom Zusammenl\u00f6ten bis zum Programmieren alles selbst in der Hand. Wobei vorerst unklar war, wof\u00fcr man diesen Computer wirklich benutzen konnte. Dieser Computer musste zuerst noch seine M\u00f6glichkeiten finden und dies im Heimbereich.<br><br>Eine Bewertung von Jim Warren kam zum Schluss, dass herk\u00f6mmliche Gesch\u00e4fts- und Industrieanwendungen nicht in Frage kommen. Eventuell seien m\u00f6gliche Anwendungen Spiele, Gruppenspiele und <em>&#8222;Spiele h\u00e4tten ja auch einen erzieherischen Wert&#8220;<\/em> (S.163). <em>&#8222;Zudem k\u00f6nnten Musik- und Radioanwendungen an BBedeutung zunehmen. Unter Umst\u00e4nden gebe es ein gewisses Interesse an Textverarbeitung. Aber ohne guten Drucker &#8230; &#8220; (S.163)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Atari 2600<\/strong><br><em>(Bemerkung: Dies trifft die Sache eigentlich recht gut, denn das 1977 auf den Markt kommende Atari 2600 (VCS) war ebenfalls ein System mit einem 6507 Prozessor (der Kopie des 6800), verf\u00fcgt \u00fcber 192 Bytes statt 255 Bytes (kein Videoram).<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/b9\/Atari-2600-Wood-4Sw-Set.jpg\/500px-Atari-2600-Wood-4Sw-Set.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Atari 2600 &#8211; die Homeconsole<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In den folgenden Jahren entwickelte sich die Personal Computer Branche aber rasant<em> und mit den Heimcomputern setzte sich auch die Demokratisierung zu Hause durch. Stimmen meinen auch, dass der Videogame-Crash (auch Atari Shock) diesem Umstand zu verdanken ist.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Rhizom &#8211;  Hypertext, Hypercard, Html<\/strong><br>Abschliessend geht der Autor darauf ein, dass zunehmend versucht wurde, Daten unabh\u00e4ngig von ihrer Nutzung (Procedural, S.172+) zu speichern  und mit g\u00fcnstig verf\u00fcgbarem Speicher wurden relationale Datenbankmodelle Ende der 70er Jahre &#8218;feasible&#8216;. Weiterhin bestand aber die Frage, ob diese Datenbankmodelle \u00fcberhaupt der letztlich richtige Ansatz war f\u00fcr alle m\u00f6glichen Daten. Oder mussten Daten nicht grunds\u00e4tzlich anders verteilt und gespeichert werden? Angefangen mit Ted Nelsons Xanadu (60er Jahre) \u00fcber Hypercard von Apple (1987+) bis letztlich hin zu Tim Berners Lee HTML (1990) mit verteilten Ressourcen. <em>(Kommentar: Wobei f\u00fcr Tim Berners Lee  das WWW immer auch ein beschreibbares Netz war. <a href=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/?p=6965\">Mehr dazu findet man hier<\/a>)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gamelab.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Bildschirmfoto-2019-07-07-um-00.53.52-1024x875.png\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>In diesem Blogbeitrag wurden nur die wichtigsten Aspekte des Buches aufgegriffen. Es gibt daneben noch einige Fallbeispiele (NASA, Kriminalbek\u00e4mpfung, Bankensoftware), die klarer machen, wie sehr die Geschichte offen war. <\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sollte nicht vergessen werden, dass jeder Wandel auch genutzt wird, um Interessen durchzusetzen: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#8222;Technologien sind Instrumente, die von sozialen Akteuren (Nutzergruppen, Organisationen) eingesetzt werden, um eigene Interessen zu st\u00e4rken, bestehende Positionen zu festigen oder zus\u00e4tzlich Einfluss auf den Gang der Dinge zu gewinnen.&#8220; (S. 84)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Entstehung digitaler Wirklichkeit Wie auch die Serie Catch and Hold Fire (Besprochen hier) ist das Buch WIE DIE WELT IN DEN COMPUTER KAM von David Gugerli eine geschichtlich offene Betrachtung von Zeit und Zukunft. Geschichte erscheint hier als ein &hellip; <a href=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=7015\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7015"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7015"}],"version-history":[{"count":81,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7109,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7015\/revisions\/7109"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gamelab.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}