{"id":8337,"date":"2023-07-15T12:07:54","date_gmt":"2023-07-15T12:07:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=8337"},"modified":"2023-07-21T12:06:15","modified_gmt":"2023-07-21T12:06:15","slug":"analoge-virtuelle-realitaeten-avr-wie-zoos-museen-und-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=8337","title":{"rendered":"Analoge Virtuelle Realit\u00e4ten (AVR) wie Zoos, Museen und Co"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-handler-einbetten wp-block-embed-handler-einbetten wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Zoo Leipzig - Der beste Zoo Deutschlands? | Zoo-Eindruck\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/AqD4rS43UFs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer eine Zoo besucht oder ein Museum, dem wird schnell klar, dass er\/sie\/es\/*\/ai sich in einem Magic Circle befindet und eine Rolle hat. Der M\u00f6glichkeitsraum (der Regeln) ist klar (Agency): Die Wege sind eingeschr\u00e4nkt und der Spieler* muss keine Angst haben (PacMan auf Sightseeing), die Rituale klar. Dabei sind da gef\u00e4hrliche Tiere vom Elefant bis zum Wolf. Der AVR-Spieler* kann auch erwarten etwas zu sehen &#8211; denn so ist es angelegt, so ist das Motivationsdesign: Suche und finde die Tiere. Im Fokus der Belohnung stehen die &#8218;besehbaren&#8216; und teilweise &#8218;betatschbaren&#8216; Tiere. Gerne Exotisch und viele.  Und wenn sie nicht wollen, kann man in ihre H\u00f6hlen gehen und hinschauen &#8211; manche auch anfassen oder ihnen beim Schlafen zu sehen (Rueckzugsorte). Nachaktive Tiere sind besonders schwer vermittelbar und haben es in ihrer Sozialisierung als Nutztiere auch nicht besonders weit gebracht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Analoge Virtuelle Realit\u00e4ten &#8211; mehr als nur ein Regelset<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Magic Circle der Zoos und der Museen ist aber mehr als nur ein Regelset, wie wir es in klassischen Spielen kennen. Es sind analoge (Objekt-)Regeln, die hier installiert (W\u00e4nde gebaut, Stellw\u00e4nde aufgestellt) wurden. Anders gesagt: Es gibt hier Dinge (etwa Tiere) aus anderen Welten, Objekte aus anderen Welten, Menschen aus anderen Welten, die man hier her verpflanzt und eingeschlossen hat. Wobei das alles auch schon dasselbe sein konnte, wie die perversen V\u00f6lkerschauen etc. auch schon demonstrierten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es handelt sich &#8211; gut sichtbar im Zoo &#8211; um Welten, die durch Grenzen als analoge virtuelle Welten erscheinen. In einem Zoo gibt es &#8218;Habitate&#8216;, der Versuch auf kleinstem Raum Affen zu zeigen in einem Affenhabitat oder anders gesagt in ihrer eigenen Welt und Zusammenh\u00e4nge. Ein Auszug aus dem Rhizom oder der mille plateaux des Affenseins.  Der Zoobesucher* geht oder wird gerollt durch 20 Habitate auf 200 Meter Strecke. Ein an und fuer sich abstruses perverses Unterfangen. Interessant, dass hier (soweit bekannt) nie die Diskussion aufkam, ob die &#8222;Seele&#8220; da mitkommt &#8211; denn wie soll man\/*\/ai ernsthaft diese Habitate, eigenen Zusammenh\u00e4nge, \u00f6kologischen Nischen &#8218;verstehen&#8216;? Dass die &#8222;Seele&#8220;-Probleme hat mit den unterschiedlichen Welten (Regelsystemen) sieht man an der Kuenstlichkeit etwa des Essens: Wo und wann essen etwa die brutalen Carnivoren? Wo wird der visuelle blutige Horror abgebildet? Ja, das brutale Essen bzw. Abschlachten findet am Morgen oder am Abend nach den Oeffnungszeiten statt. Naturgerecht sind nur Lebendfuetterungen. Und wehe &#8211; wie in Zoos schon vorgekommen &#8211; es passiert mal frueher und man sieht L\u00f6wen* beim Schlachten von x-Kaninchen auf engstem Raum. Das ist dann viel Arbeit fuer das Care-Team. Der Zoo ist also eigentlich an den Menschen und seine Gewohnheiten angepasst. Er ist der, der auf den Wegen durch den Zoo &#8222;lebt&#8220;. Praktisch alle Kinder* werden so sozialisiert (Abgesehen vom Zoo als Institution, die von Menschen betrieben wird).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so geht der Besucher* denn auch durch den &#8222;Tierpark&#8220;: Da leben oder lebten Eisbaeren neben L\u00f6wen. Das ist im besten Sinne des Wortes ein analog kybernetischer Raum, ein Kontrollraum. Hier wird (und dies wurde auch schon mehrfach historisch diskutiert) auch Macht dargestellt und gezeigt, man bringt die Aussengrenzen von Imperien in sein Zentrum, demonstriert macht. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir auch Zoos fuer AIs (AI Zoos) haben werden. Wo wir gaffend zuschauen, wie statt Tieren, Menschen nun unsere letzten &#8211; digitalen &#8211; Sklaven fuer uns arbeiten. &#8222;Seht her, dies k\u00f6nnen bzw. beherrschen wir.&#8220; Wobei die Frage ist, wer dieses Wir ist. Eine Person, eine System wie eine Gruppe, eine Gesellschaft? Vielleicht ist auch bald das umgekehrte der Fall &#8222;Seht her, Menschen.&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Museen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Museen zeigen diese Art der Macht noch viel radikaler, da sie sich nicht hinter &#8218;herzigen&#8216; Tieren verstecken, aber sehr \u00e4hnlich funktionieren, aber eigentlich Teil derselben Bewegung und Machtdemonstration sind etwa von Kolonialisierung. Ein Reentry des Systems und der Systemgrenzen.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"British Museum Tour | A Virtual Walk Inside a London Institution\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/q2fBWKJL7SQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer einmal das Glueck oder Pech hatte, das British Museum in London zu besuchen, wird dort genau das vorfinden: Kulturobjekte nebeneinander, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Die mehrheitlich gestohlen, geraubt und einverleibt wurden. Orte die Macht durch virtuelle analoge Zusammenstellung zeigen. Sie zeugen von der Macht, Dinge zusammenzubringen und aus ihrem Kontext zu reissen. Die Macht von Macht. Die Extension Macht (in Anlehnung an McLuhans Extension Begriff) als M\u00f6glichkeitsraum zeigt hier, zu was das perverse British Empire f\u00e4hig war und noch ist &#8211; denn die Dinge stehen immer noch da, das Empire zahlt immer noch keine Miete fuer das Ausleihen der Artefakte oder gibt sie zurueck &#8211; und wir Touristen machen sich immer noch alle mitschuldig. Und so sagen die Zusammenstellungen mehr darueber aus, was unsere symbolischen Ordnungen sind. Wer am Ende auch noch den Raum zu &#8222;Enlightment&#8220; entdeckt wird dann auch herausfinden, dass die Aufkl\u00e4rung einen h\u00e4sslich kolonialen Aspekt hatte oder gar deren finsteres Herz war &#8211; zumindest in &#8218;Great Britain&#8216;. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kunstmuseen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist auch bei Kunstmuseen natuerlich nicht anders. Diese sind ebenfalls Machtdemonstrationen, sind der Versuch zu sortieren, einzuordnen und unterzuordnen. Sie sind Teil der gesellschaftlichen Reproduktion &#8211; analoge Virtualit\u00e4ten im Sinne von total kontrollierten Orten &#8211; hier sperrt man ein und virtualisiert es. Und das selbst dann, wenn viel Kunst gerade fuer diese toxischen Orte produziert wurde. Kunst wird hier als Kunst fuer virtuelle kybernetische Orte konstruiert. Hier trifft Innis Theorie von kommunizierender Architektur auf Foucaults Diskussionen der Macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Cyberspace vs (Analoge Virtuelle Realit\u00e4t vs digital Virtuelle Realit\u00e4t)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Cyberspace ist der total kontrollierte Raum &#8211; er besteht aus Regeln. Hier ist alles m\u00f6glich. Analoge Cyberspaces gibt es nicht so viele &#8211; da sie Aufwand bedeuten &#8211; gegen die analogen Gesetzlichkeiten funktionieren.  Vergleich hierzu<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/mediarep.org\/bitstream\/handle\/doc\/13072\/Games_and_Rules_139-167_Bauer_Kato_The_Spectacular_Space_.pdf?sequence=5\" target=\"_blank\"> &#8222;Specular Space&#8220;.<\/a>  Ein interessantes Beispiel, das viel davor und danach aufnimmt ist Matrix Pong. Es handelt sich dabei um einen auf Menschen laufenden analogen Cyberspace (Die Leute sitzen im Raum als Kamera. Das Vorgefuehrte ist Teilen der Physik enthoben) bzw. virtuellen Realit\u00e4t (In der fiktiven Welt gelten die realen analogen Regeln).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Matrix Ping Pong\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/PgM11RtGjeI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen beziehen &#8222;Virtuelle Realit\u00e4ten&#8220; ihre &#8222;M\u00e4chtigkeit&#8220; aus ihrer Fiktionalit\u00e4t gekoppelt an geborgte &#8211;  meist leicht gewandelte &#8211; Gesetzlichkeiten. Dinge also die &#8218;wir&#8216; kennen, auf die wir teilweise sogar genetisch ausgelesen (Evolution) sind (etwa 3Dimensionalit\u00e4t oder physikalische Gesetze (Gravitation)).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vorteil des Imports von &#8218;Real&#8216;-Regeln ist, dass sie klarer sind &#8211; im Sinne von schon gelernt. Und so waren dann auch Spiele wie Myst einfach den Leuten zu vermitteln &#8211; dieselben visuellen physikalischen Regeln. Virtuelle Welten sind fast immer als weitere Extension der analogen Welt zu sehen und damit konsumierbar. Konsum und Kontrolle ist dabei das A und O dieser analogen virtuellen Welten. Denn und das ist nicht zu vergessen, sie sind gef\u00e4hrlicher &#8211; man kann sich im krassesten Fall auch einfach verletzten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer eine Zoo besucht oder ein Museum, dem wird schnell klar, dass er\/sie\/es\/*\/ai sich in einem Magic Circle befindet und eine Rolle hat. 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