Eine zumindest parallele Entwicklung: Kultur als Welt der Konstrukte (70+) und das Digitale als neue Welt der Konstrukte (70+)

Analoge Konstruktionen

Es ist – wenn man einen Schritt zurück tritt – frapant: (Das ist nicht frapant) Die 70er/80er Jahre haben eine neue Sicht auf die Kultur entwickelt – vorallem auch aus der französischen Philosophie heraus (etwa Foucault, Bourdieu, Deleuze Guattari als letzter Arm). Dieselben Ideen tauchen auch in den Systemtheorien eines Luhmann und Co auf – wenn auch nicht so explizit. Und die Kulturwissenschaften als gesamtes sind letztlich ein Ausdruck dieser Entwicklung und Erkenntnisse: Die Kultur ist viel mächtiger als bisher angenommen, viele Dinge sind soziale Konstrukte und keineswegs immer und ewig während. Es gibt also nur wenige Dinge, die sich biologisch 1:1 ableiten zu lassen. Dies zeigt zumindest die Erforschung der Geschichte und Systeme etwa durch Diskurse. Familie (Industriefamilie), Liebe, Markt etc alles angebliche antropologische Konstanten sind dabei stark ins Wanken gekommen, sei es wie sie in der Praxis gelebt wurden abhängige vom System waren, sei es weil sich auch die Rahmenbedingungen geändert haben. Diese Erkenntnisse sind inzwischen durch eine sich verändernde Gesellschaft auch in die Politik eingeflossen und führen zu massiven Verwerfungen. Ihr Ausdruck: Gender-Sterne und und und. Die Welt ist ins Wanken gekommen. Man könnte auch sagen, ihre Konstruktion ist bewusster geworden und damit ihre Unwahrscheinlichkeit klarer. Alles keine neuen Erkenntnisse.

Digitale Konstruktion


Radikaler wird diese Entwicklung, wenn wir uns dem Digitalen zuwenden oder sagen wir so, seiner Genese ins Digitale ab den 70er/80er Jahren. Die Technologie des Digitalen setzt nach ersten analogen Ansätzen und danach analog digitalen Ansätzen am Ende ganz auf digitale Ansätze. Das heisst alles in diesem Raum sind Regeln, sowohl die Programme wie auch die Daten. Alles nur eine Frage der Interpretation. Auch dies eine simple Sache aber mit radikalen Auswirkungen. Die Geschichte dazu wird nämlich oft, positivistisch gelesen: Der Raum musste so werden, wie unser analoger. Dabei ist das nicht ganz korrekt. Der fast alles berechenbare Raum genannt Cyberspace wurde letztlich so kolonialisiert. Denn am Anfang haben die Entwickler* durchaus vieles ausprobiert, denn es ging auch darum: Was kann man mit diesem Medium machen, in dem die alte analoge Welt letztlich nur ein Spezialfall ist. Und da war die Welt bei weitem nicht so klar – gerade unter den Einschränkungen.

Als Beispiel: Wizard of Wor

Aber noch viel radikaler sieht man den neuen Raum in der Cracker und Demoscene. So langweilig einem diese Crackintros und Demos erscheinen mögen. So radikal versuchen sie auch den Raum zu erweitern und ein (bisschen) anders zu denken. Die klassiche Schrift wird endlos (Scrollschriften), dynamisch (Bewungen), animiert (einzelne Buchstaben) und letztlich auch zerstört. Dasselbe passiert mit Gegenständen wie dem Heiligen Cube, gedreht, gestaucht, gemorphed.

Mehr dazu auch hier:

Digitale Konstruktion

https://www.toniz.ch/?room=algoart

Anders gesagt: Der digitale Diskurs war am Anfang offener und klarer, weil alles offensichtlich eine Regel war. Am Ende durfte allerdings auch dieser Diskurs nicht ohne den Analogen umgehen und musst deswegen Teil werden bzw. wieder eine Untermenge des Analogen Diskurs, der letztlich unserer „Realität“ ist. Hier sind sicherlich die Ausweitungen von juristischen Rechten auf den Cyberspace zu nennen.

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