MangaParadox: Warum gibt es (bekannter) keine europäischen Mangazeichner*, die Europa „Mangaisieren“?

Eigentlich ist Manga ein Comic-Stil. Neben dem Manga-Stil gibt es diverse andere Comic-Stilrichtungen wie den amerikanischen Mainstreamcomics mit SuperMan und Co oder den eher europäischen Comic mit TinTin oder Asterix. Dann gibt es natürlich auch all die damaligen subversiven Comics wie XY the Cat oder die europäischen Comics, der 70er/80er Jahre wie man sie noch heute im Strapazin oder am Fumetto findet. Eine wirklich breite Palette.

Aber dann ist da Manga. Manga scheint den Bruch von Stil und Thema nicht zu schaffen. Es gibt zwar sehr früh schon Aneignungen des Ausserhalb-Japans. Man denke etwa an Heidi.

Hier zeichnen Japaner* den Rest der Welt durch ihre „Augen“. Sie eigenen sich die Welt an und das klappte ja sehr gut. Damit werden natürlich die Faszinationen der japanischen Kultur für Europa weiter fortgeschrieben. Dies verwundert nicht, denn schliesslich wurde mit der erzwungenen Öffnung Japans auch sehr viel Kultur der damals führenden Nationen wie Deutschland, Frankreich und England importiert. Vom deutschen Eherecht bis zur deutschen Musik. Darum heisst ja die Serie vermutlich bis heute auch Elfenlied oder das Spiel Zweihänder. In diesem Sinn ist es klar, warum dies passiert mit all den Folgeströmen von Touristen – in beide Richtungen.

Es gibt auch modernere Beispiele wie etwa ARTE. Einer adligen, die in der Renaissance Malerin werden möchte und wird.

Mehr dazu hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Arte_(manga)

Allerdings ist dies auch gezeichnet von einem Japaner. Gehört also in die alte Tradition. Dann ist natürlich auch die Mukokuseki-Tradition zu nennen. Die das Draussen zerschnippelt wieder einführt. Aber es scheint immer Japan zu sein, als neu entwickelter Kontinent, als Möglichkeitsraum wie Hollywood in den USA.

Der Manga-Stil in sich, ist ja eigentlich auch eine Art Mukokuseki aus verschiedensten Stilen.

Nun stellt sich aber die Frage, warum fangen die Millionen angefressenen Manga Enthusiasten ausserhalb von Japan, die auch noch Zeichnen nicht an, diesen Stil auf ihre Umgebung anzuwenden? Warum keine Mangas über Basel, Zürich? Warum schafft es der Mangastil nicht überall wieder Wurzeln zu fassen und quasi aus der Peripherie sich zu reformieren und radikalisieren? Selbstverständlich gibt es das eine oder andere Pflänzchen aber eben nicht ein Feld. Also immer soweit ich das sehe.

Es scheint so zu sein, dass Manga/Animes ähnlich funktionieren wie Games. Hier wird eben auch der japanische Möglichkeitsraum verkauft und der erscheint interessant, diese Art der Kultur. Der Mangastil wäre dann an eine ganz bestimmte Sozialisierung gebunden an eine „japanische Internationale“, an einen eigenen Raum in der Welt. Der natürlich nicht mit Japan direkt zu vergleichen ist. Mehr mit einem fiktionalen Japan-Manga-Land.

Falls jemand Beispiele hat eine solchen Aneignung des Mangastils aus Europa für Europa oder Japan, würde ich die gerne sehen.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.