Medienmechanik Verwertung am Beispiel von Warja Lavater

https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/schweizer-grafikerin-warja-lavater-die-frau-hinter-den-drei-ubs-schluesseln

Warja Lavater – Pionierperson in der Kunst und im Design

Warja Lavater ist eigentlich eine Schlüsselfigur im grafischen Design der Schweiz. Lavater verbindet früh Grafikdesign und Erzählung und zwar mit primitivsten Gestaltungsmittel. Sie nimmt also die Tradition des Schweizer Design von Minimalismus, Abstraktheit und Präzision auf wie man es etwa aus der Schriftgestaltung kennt. Wichtig ist sie aber gerade auch fürs Gamedesign. Sie macht vor, wie man mit einfachen Grafik-Primitiven Geschichten erzählt. Etwas was Gamedesigner* früh mussten, weil es einfach keine wirkliche ausgeprägte Grafik gab sondern nur Blöcke. Erste Figuren waren Buchstaben. Mehr dazu hier: Warja Lavater oder die visuelle Gamedesignerin avant la lettre. Vor einiger Zeit entstand auch eine Ausstellung von Carol Ribi in der Zentralbibliothek. Die ZHdK arbeitete mit Studierenden* ebenfalls für diese Ausstellung in der Designtradition von Lavater, es entstanden einige Spiele. Das hat eigentlich mit diesem Bericht nichts zu tun, ausser dass es darlegt, dass Lavater in der letzten Zeit wieder wichtiger wurde und vorallem wieder aktueller ist.

SRF stellt „Lavater“ vor oder eher SRF stellt ein Buch vor

Und dann kommt sie also im Fernsehen. Man denkt „Wow“, da hat SRF mal tatsächlich was erarbeitet – recherchiert. Denn: An den Anzahl der Portraits es Fernsehen selbst kann es nicht liegen, die sind nämlich sehr spärlich für den Stellenwert dieser Vorreiterin. Anders gesagt: SRF hat schön mitgearbeitet in den 60er Jahren, dass Frauen eben nicht den Stellenwert hatten, den sie hätten haben sollen. Sie wird eher unter: Kinderzeichnungen gehandelt. Frau und Kind halt. Und Kunstdokumentation ist eh nicht das Ding von SRF ausser es geht um Audio und Film. Aber bei den anderen Kunstsachen wartet mal ab, bis irgendwas passiert. Oder jemand im Ausland sagt: Wow, das ist was.

Aber dann die grosse Enttäuschung: Es gibt ein Buch. Darum wird berichtet. Bücher sind in Sachen Medienarbeit gut: Man muss nicht recherchieren. Allein zusammenfassen und das Wichtigste rausnehmen reicht schon. Meist geben die Macher* des Buches dann ein Menge Infos zusätzlich, die dann gar nicht verwiesen sind. Dies ist zumindest im Artikel so, es ist klar, woher die Infos kommen. Und ja ein paar der wenigen Sachen im Archiv sichten. Es ist die gute alte Gutenberggalaxis-Arbeit des Journalismus. Es ist Verwertung. Manche finden das OK und andere finden es, einfach zu wenig. Gerade im öffentlich rechtlichen Medium, wo doch auch Dokumentation der Gesellschaft – was die privaten nicht machen. Um es klarzustellen, ja das machen auch die anderen Medien wie Tagesanzeiger nicht anders. Das Vorgehen ist dasselbe. Nur ist das halt kein Privatmedium, sondern eines, das eigentlich auch dazu da ist mehr zu zeigen auch zu dokumentieren.

Und was daran eigentlich schon fast verwerflich ist: Es passiert nur etwas, wenn an einem anderen Ort etwas passiert. Wenn also jemand forscht und darüber schreibt. Oder kapitalistischer gesagt: Nur wenn der private Markt ein verkaufbares Etwas produziert (Ausstellungen gehörten auch dazu) dann macht man oder frau was. Damit fallen dann natürlich und selbstverständlich alle „neueren“ Medienformate wie Blogs oder Podcasts etc. Die sind eben nicht ‚verwertbar‘. Dann macht man oder frau eben lieber nichts. Jetzt kann man argumentieren, es gäbe immer weniger Geld für Recherchen. Das mag sein, nur leider war das schon früher ein Trend, lange vor dem Internetkannibalimus. Berichtet wird oft, was der Markt so freiwillig hergibt. Man gehe nur mal bei SRF die Kunstbeiträge durch oder eben die Dokumentation von SRF zu Warja Lavater.

Peinlich: „Warja Lavater die Frau hinter den drei UBS Schlüsseln“

Da stört dann auch massiv, dass das Ganze aufgehängt wird an den Schlüsseln des Bankvereins. Echt? Ein Aufhänger sind die Schlüssel des Bankvereins? Die Künstlerin ist also wichtig, wegen des Bankvereins? Die Schweiz kann ihr Kunstverständnis einfach nicht plakativer demontieren. Kunst kommt hier nach der Grossbank. Vielleicht fehlt einfach auch das Kunstverständnis (auch bei SRF?). Würde man dieses Spiel nicht sonst kennen in der Schweiz, Künstler bekommen grausige Plätze, man benennt Hochhäuser nach ihnen und ja sie kriegen 2-4 Minuten Fame in der Tagesschau beim Tod, würde man sich wundern. Selbst wenn man Godard heisst, Mann und weltbekannt ist. Schweizer* mögen einfach keine Kunst, während etwa Frankreich sie hochstellt als Teil der Kultur.

Schweizerische Mediendatenbank SMD

Schweizer Journalisten* arbeiten oft mit der schweizerischen Mediendatenbank. Wie man das erkennt: Hat irgendjemand mal irgendetwas zu einem Thema gemacht, so kommt ganz bestimmt diese Person wieder oder deren Themensetzungen. Anders gesagt: Die Journalistenszene dreht sich mit immer denselben Leuten im Kreis bis hin zu den Argumenten. Im vorliegenden Fall ist das aber anscheinend nicht passiert, anders kann man das Korrigendum nicht erklären.

Hauptsache gezeigt

Jetzt kann man sagen: Hauptsache, Warja ist wieder da. Ja! Aber die Art und Weise ist so schweizerisch. Geht nicht besser.

Interessant wäre „Medien theoretisch“ natürlich, wieviel Geld für diesen Beitrag ausgegeben wurde. Denn allein das Lesen des Buches war ja vermutlich schon 4-5 Stunden mit Recherche, ob da alles plausibel ist.

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