Für Forschende*
Ethnologische Beobachtungen
Aus Forschungstechnischer Sicht ist das ganze auch interessant. Man kann der Gameinternationalen bei der Arbeit zu sehen und ein bisschen in die Köpfe schauen und anfangen diese Community zu verstehen, was sie treibt, wie sie sich die Welt konstruiert.
Die End 80er Jahre Gamedevs (1. Generation) fuhren ins Ausland etwa nach London, um dort Boxen sahen. Ob sie sich als Gamedesigner* mit den Spielern verbrüderten, die sie auch waren, ist eine Frage, die man mal noch fragen muss. Wahrscheinlich scheint, dass sie sich als eine Elite sahen, die auf die anderen Spieler* eher herunterblickte. Die 2. Generation hielt es – ich etwa – wohl auch so. Gerne gespielt, aber na ja Spieler* waren Spieler, Konsumenten. Jeremy (3. Generation) enthält sich einer Aussage im Podcast, er wurde auch nicht gefragt. Alice (4. Generation) meint dagegen in einer Folge, dass sie in die Gamescon-Halle kam und die Leute sah und dachte: „Das sind meine Leute“. Und es ihr heute noch so geht. Andere GameDevs der 3. Generation waren teilweise schockiert bei Besuchen in Computergamebereichen ab der Spielenden, für die sie Games machten.
Und ja das ist etwas, was auffällt in dem Podcast: Die grossen Plattformholder (nach dem Atari 2600 definieren sie den Inhalt ihrer Plattformen), die grossen Firmen bekommen ihr Fett ab. Aber: An den Spielern* bleibt nichts kleben, die sind mal für eine Anekdote im Gespräch, aber es fallen wenig böse Worte über die Spielenden. Es herrscht so eine Art „Burgfrieden“. Man mag dies damit erklären, dass es sich hier um 3 Personen handelt, die Games verkaufen, aber das Ganze scheint vielleicht tiefer zu liegen. Vielleicht gibt es diese Trennung nicht mehr und die Leute sind in erster Linie Spieler* und dann Gamedesigner*. Sie sind in erster Linie Gameinternationale und darin eingebettet noch Designer* für diese Internationale. Oder es ist einfach jene Schweizer* Art.
Eine interessante Diskussion ist auch die Diskussion um die Förderung. Hier scheint der Diskurs langsam angekommen zu sein (nach 20 Jahren!), dass es sich bei diesem Förderungsgeld um Kulturgeld handelt auch bei der ProHelvetia und nicht Wirtschaftsgeld. Hier wird Geld für Kultur verkauft. Und Games sind per se zwar Kultur aber eben keine sehr Regionale, sondern Gameinternationale. Jeder Film hat meist mehr regionale Kultur im Produkt als 99% aller Schweizer Spiele zusammen. Aber ja sie sind ein Schweizer Kulturgut. Die meisten Gamedesigner* scheren sich auch einen Dreck um lokale Dinge (was aus der Geschichte kommt), sie sind wie die ersten Gamedesigner* Produktentwickler* für die Welt für den Export – 80er Jahre. Dass es in CH gar keine allgemeine Wirtschaftsförderung gibt ausser Innosuisse scheint nun langsam Allgemeingut. Und letztlich wurde die Schweizer „Gameindustrie“ mit ihrem Swiss Gamehub vom Wirtschaftsteil gross gemacht.
Und ja – es brauchte in der Förderung des Kantons Zürich genau den Unterschied zwischen „Will am Markt erfolgreich sein“ und „Soll symbolisches Kapital anhäufen“ (Nicht Marktmacht, sondern kulturelle vielleicht sogar künstlerisch sein). Und sei es nur als Erziehungsmassnahme für die Schweizer Gameinternationale. Das erstere sollte eigentlich der Markt und damit die Wirtschaft oder die Wirtschaftsförderung abdecken und das zweite sollte eben für das Mehr sein. Das was Mehr sein will – nämlich Kultur oder bei Gott „Kunst“. Dass die Politik seit der ProHelvetia beides in einen Topf wirft (oder Schlimmeres nämlich Games zur Kunst macht), wird längerfristig gefährlich sein, weil es damit den Kulturbegriff untergräbt.
Weiter zu beobachten ist auch der Begriff „artsy“. Das ist irgendwie so etwas wie „Ach gott, das ist so ….“. Und doch ok, wenn man so Geld damit verdienen kann. Aber jenseits davon scheint es nichts zu geben. Die Frage ist auch hier, gab es je jenseits davon etwas in der klassischen Gameinternationalen.