Beat Suter
Diese Vignette erzählt die Geschichte von imp89, der Ende der 1980er Jahre mit einem Atari ST auf einem Bauernhof in der Ostschweiz begann, Spiele, Demos und digitale Experimente zu entwickeln. Zwischen abgetippten Listings aus Computermagazinen, selbstgebauten Prototypen und frühen Demoszene-Arbeiten zeigt der Text, wie Lernen, Spielen und Programmieren ineinandergriffen. Anhand erhaltener Fragmente und verlorener Projekte wird sichtbar, wie kreativ, improvisiert und zugleich vergänglich frühe Formen der Spielentwicklung im Homecomputer-Zeitalter waren.
>>Teil 1: IMP89 – digitalisiert durch den Homecomputer
Teil 2: Vom Heimcomputer zum Mac – imp89s ’next level‘
Teil 3: Imp89s Vorstoss in die Welt der Webgames
Wer ist imp89?
Imp89 ist ein Tausendsassa, der seit mindestens 1989 alle möglichen digitalen Experimente und Spiele macht. Er erinnert sich, dass er, gerade 15, zusammen mit seinem 14-jährigen Bruder und seiner 13-jährigen Schwester einen Atari 520ST besass. Die Geschwister lebten auf einem Bauernhof in der Ostschweizer Region Bodensee. Gekauft hatten sie 1987/88 den Atari aus erspartem Geld beim Musenalp-Express, einer Zeitschrift, die damals Gedichte und Texte von Jugendlichen veröffentlichte und gleichzeitig per Versandhandel die wichtigsten kommerziellen und popkulturellen Produkte wie Schallplatten, Audio-Kassetten, Elektronik und Computer vertrieb. Der Musenalp-Express war in der Schweiz weit verbreitet und könnte als eine Social Media App der 1980er aus Papier bezeichnet werden. Imp89 hatte zwei Jahre zuvor in einem Computercamp in Romanshorn den Mac kennen gelernt und wollte auf jeden Fall einen Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Der Atari ST war günstig, hatte bestes Preis-Leistungs-Verhältnis und war vor allem modern: Grafik, GUI, Maus und schnell. Doch als Erstes musste das Single-Disk-Laufwerk (360 kb) mit einem Double-Disk-Laufwerk (720 kb) nachgerüstet werden. Dieses besorgten sich die drei Geschwister in Konstanz. Der Haupttreffpunkt mit Gleichgesinnten war später aber der Computerladen „Rietman“ in der Frauenfelder Innenstadt, wo imp89 nach der Schule hinging und Dinge – insbesondere Spiele – ausprobierte, die er sich nicht leisten konnte.
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